Der globale Treffpunkt für die Lieferkette der Elektroindustrie

Der Ausbau des europäischen Stromnetzes setzt die Versorgung unter Druck

23. September 2026 | Artikel

Die Investitionen in das Stromnetz nehmen zu. Doch Ausrüstung, Kapazitäten und Lieferfristen werden zunehmend zu entscheidenden Engpässen.

Europa braucht mehr Strominfrastruktur. Die entscheidende Frage ist, ob die Branche diese schnell genug aufbauen kann. 

Auf dem gesamten Kontinent erhöhen Elektrifizierung, erneuerbare Energieerzeugung, Rechenzentren und sich wandelnde Stromnachfragemuster den Druck auf die Übertragungs- und Verteilungsnetze. Für Netzbetreiber, Transformatorenhersteller und deren Lieferketten wird der Netzausbau dadurch zu einer großen Herausforderung. 

Die jüngsten Entwicklungen im Vereinigten Königreich und auf dem europäischen Festland zeigen, wie groß diese Herausforderung mittlerweile geworden ist. 

Großbritannien steht vor einer großen Herausforderung für die Stromnetze 

Am 11. September veröffentlichte der britische Rechnungshof (NAO) seine Bewertung der Pläne zum Ausbau des Stromübertragungsnetzes des Landes. 

Die Schlussfolgerung war eindeutig: Die Umsetzung aller erforderlichen Netzausbauten bis 2030 wird „eine große Herausforderung“ darstellen. 

Das Programm bedeutet eine erhebliche Veränderung beim Tempo des Infrastrukturausbaus. Nach Angaben des NAO bestehen weiterhin Risiken in den Bereichen Planung, Lieferkette und Systemzugang, während einige Projekte den Prognosen zufolge erst nach 2030 fertiggestellt werden. 

Das führt zu einem umfassenderen Problem. 

Neue Stromerzeugungskapazitäten könnten ans Netz gehen, bevor die für den Transport dieses Stroms erforderliche Übertragungsinfrastruktur fertiggestellt ist. Je länger diese Lücke besteht, desto größer ist das Risiko höherer Projekt- und Engpasskosten. 

Für die Lieferkette der Elektroindustrie ist der Netzausbau daher weit mehr als nur eine Frage der Infrastrukturplanung. 

Transformatoren, Leitungen, Elektrostahl, Isoliermaterial, Überwachungsgeräte und Produktionskapazitäten – all dies sind die Voraussetzungen dafür, dass Netzbetreiber ihre Investitionspläne in funktionierende Infrastruktur umsetzen können. 

Der NAO-Bericht unterstreicht die Bedeutung der Lieferkette neben der Planung und dem Netzzugang und verdeutlicht damit eine Herausforderung, die Transformatorenherstellern und Netzbetreibern bereits bekannt ist: Die Nachfrage kann sich schneller entwickeln als die Produktionskapazitäten. 

Lesen Sie den Bericht des Bundesrechnungshofs 

Europa befasst sich zudem mit dem bereits vorhandenen Stromnetz 

Der Bau neuer Infrastruktur ist nur ein Teil der Lösung. 

Am 10. September haben acht europäische Übertragungsnetzbetreiber die zweite offene Ausschreibung der Grid Innovation Alliance unter dem Motto „The Grid at its Limit“ gestartet. 

Zu den teilnehmenden Netzbetreibern gehören 50Hertz, Amprion, Elia, Red Eléctrica, RTE, Swissgrid, TenneT und Terna. 

Ihr Ansatz ist klar: Wie kann Europa Netzengpässe verringern und mehr Kapazität aus der bestehenden Strominfrastruktur herausholen? 

Nach Angaben der Allianz steigt die Nachfrage nach Übertragungskapazitäten schneller, als das Netz ausgebaut werden kann. Daher sucht sie nach Technologien in vier Bereichen: Überwachung, Sensorik und Prognosen; intelligentes Übertragungsmanagement und Lastflusssteuerung; Steigerung der Kapazität und Leistungsfähigkeit bestehender Netzanlagen; sowie neue Ansätze innerhalb und außerhalb des Energiesektors. 

Ausgewählte Technologieanbieter erhalten die Möglichkeit, ihre Lösungen gemeinsam mit den teilnehmenden Netzbetreibern zu entwickeln und im Rahmen von Proof-of-Concept-Projekten zu testen. 

Erfahren Sie mehr über die Ankündigung der „Grid Innovation Alliance“ 

Der Ausbau des Netzes beginnt in der Lieferkette 

Insgesamt deuten diese Entwicklungen auf einen bedeutenden Wandel hin. 

Europa kann den steigenden Strombedarf nicht allein durch neue Übertragungsinfrastruktur decken. Die Branche muss zudem die Produktionskapazitäten ihrer Fertigungsstätten erhöhen, die Leistung bestehender Anlagen verbessern und die Zeitspanne zwischen der Ermittlung eines Netzbedarfs und der Inbetriebnahme der Anlagen verkürzen. 

Für Transformatorenhersteller rücken dadurch der Durchsatz in der Fertigung, die Prüfkapazitäten, die Materialversorgungssicherheit und standardisierte Konstruktionen stärker in den Fokus. 

Für Übertragungsnetzbetreiber (TSOs) und Verteilernetzbetreiber (DSOs) erhöht dies den Wert einer frühzeitigen Zusammenarbeit mit Herstellern und Lieferanten. Gerätespezifikationen, verfügbare Fertigungskapazitäten und Lieferzeiten müssen früher in die Netzplanung einfließen, damit Projekte im erforderlichen Tempo von der Planung bis zur Inbetriebnahme voranschreiten können. 

Für Technologieanbieter eröffnet dieser Druck neue Chancen in den Bereichen Überwachung, Diagnose, Automatisierung, Sensorik, digitales Asset-Management sowie bei Technologien, mit denen sich die Kapazität oder Lebensdauer bestehender Infrastrukturen steigern lässt. 

Die Herausforderung liegt zunehmend in der Umsetzung. 

Vom Kraftwerk bis zur Umspannstation 

Die CWIEME Berlin bringt die Akteure zusammen, die auf beiden Seiten dieser Herausforderung stehen – von Transformatorenherstellern über Material- und Komponentenhersteller bis hin zu Netzbetreibern und Technologieanbietern. 

Mit steigenden Investitionen in das Stromnetz gewinnen Gespräche entlang der gesamten Wertschöpfungskette zunehmend an Bedeutung. Ein Transformator kann nicht installiert werden, wenn keine Fertigungskapazitäten zur Verfügung stehen. Die Produktion kann ohne Materialien, Maschinen, Prüfkapazitäten und qualifizierte Teams nicht gesteigert werden. Und Netzprojekte können nicht schneller vorangetrieben werden, wenn Spezifikationen und die tatsächlichen Gegebenheiten in der Fertigung nicht aufeinander abgestimmt sind. 

Die nächste Phase des Netzausbaus in Europa wird daher nicht nur davon abhängen, in welchem Umfang Infrastruktur geplant wird, sondern auch davon, wie effektiv die Branche diese herstellen, liefern und betreiben kann. 

Das bedeutet, dass die Fabrik und das Stromnetz enger miteinander verknüpft werden müssen.

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