In diesem Interview der Reihe „Fünf Minuten mit …“ spricht Clifford Ondieki über die Bedeutung der Spulenwicklung für die Netzzuverlässigkeit, die Grenzen theoretischer Modelle und die Technologien, die Energieprojekte vorantreiben werden.
Clifford Ondieki, ein Ingenieur für Energiesysteme, der kürzlich seinen Master-Abschluss in Ingenieurmanagement an der Arden University in Berlin erworben hat, teilt seine Gedanken zur Elektrotechnikbranche und zu den Technologien, die man im Auge behalten sollte.
1. Was hat Ihr Interesse an der Elektrotechnik bzw. der Spulenwicklungsbranche ursprünglich geweckt?
Mich hat eine grundlegende technische Erkenntnis fasziniert: Die Zuverlässigkeit des Stromnetzes hängt von den physikalischen Komponenten ab. Die Präzision einer Spulenwicklung bestimmt den Wirkungsgrad, die thermische Belastbarkeit und die Lebensdauer von Transformatoren und Motoren – dem Rückgrat unserer Infrastruktur.
Diese Erkenntnis ließ sich durch angewandte Forschung in die Praxis umsetzen. Bei unserer mit dem IEEE-Preis ausgezeichneten Studie zur Infrastruktur für Elektrofahrzeuge war eine zentrale Einschränkung die reale Leistungsfähigkeit von Verteilungstransformatoren, die durch ihre Wicklungskonstruktion und die verwendeten Materialien bestimmt wird. Die Forschung bewies, dass eine strategische, komponentenorientierte Planung den gerechten Zugang um 21 % verbessern kann, ohne die Hardware über ihre Grenzen hinaus zu belasten. Die Erkenntnis war klar: Man kann kein zuverlässiges, zukunftssicheres Netz modellieren, wenn man unzuverlässige Annahmen über seine physikalischen Komponenten trifft.
Das Thema „Übertragung und Verteilung“ steht im Mittelpunkt des „Grid Delivery Summit“, der im Rahmen der CWIEME Berlin 2027 stattfindet.
Erfahren Sie mehr2. Können Sie mir einen kurzen Überblick über Ihren beruflichen Werdegang in dieser Branche geben?
Im Mittelpunkt meiner beruflichen Laufbahn stand die Umwandlung systemischer Engpässe in automatisierte Lösungen. Ich begann meine Karriere in der Spannungsstabilitätsanalyse für Studien zum Netzanschluss erneuerbarer Energien, wo mir bewusst wurde, wie viel wertvolle Ingenieurszeit durch sich wiederholende Aufgaben zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften verschwendet wurde.
Anschließend wandte ich mich der Entwicklung von Softwaretools zur Automatisierung dieser Arbeitsabläufe zu. Diese Methodik hat sich in einer von Fachkollegen begutachteten Forschungsarbeit (IEEE ETECOM) bewährt, in der wir ein Modell zur Optimierung der Einführung von Ladestationen für Elektrofahrzeuge entwickelten, das sowohl die Netzstabilität als auch soziale Gerechtigkeit berücksichtigt. Diese „Automatisierung von Erkenntnissen“ wende ich nun auf Projekte wie den „Berlin Grid Digital Twin“ an und entwickle Tools, mit denen sich monatelange Engpass- und Compliance-Studien auf wenige Tage verkürzen lassen. Das Ziel ist klar: die technischen Engpässe zu beseitigen, die kritische Energieprojekte blockieren.
3. Warum haben Sie sich für einen Besuch der CWIEME Berlin entschieden?
Ich nehme an der CWIEME teil, um wichtige Validierungen durchzuführen. Sie ist die Brücke zwischen theoretischen Modellen und der Realität in der Fertigung.
Meine Arbeit im Bereich der Netzintegration stützt sich auf präzise Annahmen darüber, wie sich Anlagen unter Belastung verhalten. Die CWIEME bietet mir die Möglichkeit, diese Annahmen direkt mit den Materialwissenschaftlern und Produktionsingenieuren auf Herz und Nieren zu prüfen, die definieren, was möglich ist. Für mich ist dieser Dialog kein Luxus – er ist die Grundlage für glaubwürdige, verlässliche Technik, die sicherstellt, dass die von uns entwickelten digitalen Lösungen stets auf physikalischen Gegebenheiten beruhen.
4. Worauf freust du dich bei der diesjährigen Veranstaltung am meisten?
Ich bin gespannt auf den nächsten Schritt bei „Design for Integration“. Ich wünsche mir Komponenten, die bereits mit ihrem digitalen Zwilling entwickelt werden – Transformatoren, Antriebe und Leistungselektronik, die nicht nur mit Datenblättern, sondern auch mit validierten Simulationsmodellen und klaren Datenschnittstellen geliefert werden.
Warum? Weil eine Komponente, die sich leichter modellieren und zertifizieren lässt, den Zeitplan eines Projekts um Monate verkürzen kann. Außerdem möchte ich mich mit anderen über die praktischen Herausforderungen von Vorschriften wie „Redispatch 2.0“ austauschen, bei denen es um die Netzstabilität in der Energiewende in der Praxis geht.
5. Welche Technologie wird Ihrer Meinung nach in den nächsten zehn Jahren den größten Einfluss haben?
Die größte Auswirkung wird nicht eine einzelne Technologie sein, sondern die systematische Automatisierung von Compliance und Planung.
Derzeit steht die Branche vor einer quantifizierbaren Krise: Projekte verzögern sich um Jahre, was zum Teil auf manuelle, sich wiederholende Analysen der Netzkodizes zurückzuführen ist. Die Lösung besteht darin, digitale Zwillinge mit den Regelwerken der Aufsichtsbehörden zu integrieren, um „Compliance-as-Code“-Systeme zu schaffen. Die letztendliche Auswirkung ist nicht nur intelligentere Software. Es sind schnellere Entscheidungen, freigesetztes Kapital und die Beschleunigung der allgemeinen Energiewende. Die Unternehmen, die diesen Wandel meistern, werden ihre Entwicklungsarbeit von einer Kostenstelle in einen strategischen Beschleuniger verwandeln.



















