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Elektrische Nutzfahrzeuge

30. November 2023 | Artikel

Elektrische Nutzfahrzeuge: Chancen und Herausforderungen in Europa

von Abdullah Shakil, Analyst I, und Muhammad Saad Siddiqui, Junior-Analyst – bei PTR Inc.

  • Europa hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bis 2035 zu verbieten. Diese Entscheidung stieß auf gemischte Reaktionen, da Deutschland und Italien dieses Verbot ablehnen, während Frankreich es befürwortet.
  • Von 2021 bis 2022 stieg der Absatz in allen Nutzfahrzeugkategorien zwar an, jedoch deutlich langsamer.
  • Zu den Herausforderungen bei der Einführung von Elektro-Nutzfahrzeugen zählen Engpässe in der Lieferkette und die mangelnde Verfügbarkeit lokaler Rohstoffe für die Batterieproduktion.

Die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugflotten ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen Zukunft. Elektrische Nutzfahrzeuge stoßen keine schädlichen Emissionen wie herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor aus und tragen so zur Verringerung des globalen CO₂-Fußabdrucks bei. Abgesehen von ihren umweltfreundlichen Eigenschaften sind elektrische Nutzfahrzeuge langfristig wirtschaftlich rentabel, da sie im Vergleich zu ihren mit fossilen Brennstoffen betriebenen Pendants erhebliche Einsparungen bei den Betriebskosten bieten.

Zahlreiche Länder stellen umfangreiche Subventionen für Elektrofahrzeuge bereit, um die CO₂-Neutralität zu erreichen. Europa hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bis 2035 zu verbieten. Dieses Verbot stößt bei großen Ländern wie Deutschland und Italien auf Widerstand, da diese der Ansicht sind, dass es ohne ausreichende Voruntersuchungen umgesetzt wird und zu einem Rückgang der Verkaufszahlen bei Bussen, Lkw und leichten Nutzfahrzeugen führen wird. Länder wie Frankreich hingegen unterstützen das Verbot und argumentieren, dass die Welt den EU-Richtlinien folgen und versuchen sollte, die CO₂-Neutralität bald zu erreichen.
 

Aktueller Ausblick

Von 2020 bis 2021 stieg der Absatz von Elektro-Lkw, -Bussen und -Leicht-Nutzfahrzeugen um 235 %, 58 % bzw. 85 %. Von 2021 bis 2022 stiegen die Verkaufszahlen in allen Kategorien von Nutzfahrzeugen, allerdings deutlich langsamer. Von 2021 bis 2022 betrug der Anstieg der Verkaufszahlen bei elektrischen Lkw, Bussen und leichten Nutzfahrzeugen 87 %, 42 % bzw. 30 %. Abbildung 1 unten veranschaulicht den Anstieg der Verkaufszahlen bei Lkw, Bussen und leichten Nutzfahrzeugen in diesen beiden Jahren.

Abbildung 1: Prozentualer Anstieg der Verkaufszahlen von elektrischen Nutzfahrzeugen (2021 im Vergleich zu 2022). Quelle: PTR Inc.

 

Der Umsatzrückgang war in erster Linie auf den gesunkenen Umsatzanteil in Ländern zurückzuführen, die sich gegen das Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor aussprachen. Deutschland führte diese Kampagne an und verbündete sich mit sechs weiteren Ländern – darunter Italien, Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei, Rumänien und Ungarn –, um gegen dieses Verbot vorzugehen, was sich auf die Stimmung am europäischen Markt für Elektrofahrzeuge auswirkte. Deutschland gilt als Marktführer bei der Elektrifizierung in Europa, verzeichnete einen Rückgang seines Marktanteils bei Elektrobussen, Elektro-Lkw und Elektro-Leicht-Nutzfahrzeugen von 17 %, 61 % bzw. 24 % im Jahr 2021 auf 14 %, 27 % bzw. 22 % im Jahr 2022. Zudem stiegen die Verkaufszahlen von Elektrobussen und leichten Nutzfahrzeugen in Deutschland nur um magere 10 % bzw. 8 %, während die Verkäufe von Elektro-Lkw im Jahr 2022 um 16 % zurückgingen.

Trotz des in den Jahren 2021 und 2022 verzeichneten Gesamtwachstums machten Elektrobusse, Elektro-Lkw und Elektro-Leicht-Nutzfahrzeuge im Jahr 2022 11,5 %, 0,7 % bzw. 3,9 % des Gesamtabsatzes im europäischen Segment für Busse, Lkw und Leicht-Nutzfahrzeuge aus, wie aus Abbildung 2 unten hervorgeht.

Abbildung 2: Anteil der verkauften Elektro-Nutzfahrzeuge an den insgesamt verkauften Nutzfahrzeugen im Jahr 2022. Quelle: PTR Inc.

 

Betrachtet man die Verkäufe von Elektro-Nutzfahrzeugen in Europa genauer, gemessen am Anteil der verkauften Elektrobusse an der Gesamtzahl aller Busse im Jahr 2022, so führte Finnland den Markt mit einem Anteil von 68 % an Elektrobussen an, gefolgt von Rumänien mit 63 % und Dänemark mit 61 %. Bei den Elektro-Lkw wies Norwegen im Jahr 2022 mit rund 6 % den höchsten Anteil an Elektrofahrzeugen am Gesamtabsatz auf, gefolgt von der Schweiz (5,2 %) und Schweden (3 %). Auch beim Anteil der Elektro-Leicht-Nutzfahrzeuge am Gesamtabsatz der Leicht-Nutzfahrzeuge war Norwegen im Jahr 2022 Marktführer mit einem Anteil von 20 %, gefolgt von Schweden (12 %) und der Schweiz (8 %).
 

Herausforderungen auf dem Weg zur Elektrifizierung

Die flächendeckende Einführung elektrischer Nutzfahrzeuge ist mit einigen Herausforderungen verbunden. Mit steigender Nachfrage nach Elektrofahrzeugen geriet die globale Lieferkette unter Druck. Im Jahr 2022 zögerten große Fahrzeughersteller wie Volvo und Scania aufgrund von Lieferkettenproblemen, neue Lkw-Aufträge anzunehmen. Da ein Ende des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine nicht in Sicht ist, werden sich die Probleme in der Lieferkette voraussichtlich noch verschärfen.

Europa ist bei den für die Batterieproduktion benötigten Rohstoffen von anderen Ländern abhängig. Der Mangel an lokalem Bergbau trägt zudem dazu bei, dass Elektro-Nutzfahrzeuge nur zögerlich eingeführt werden. Fast zwei Drittel des weltweiten Kobalts stammen aus der Demokratischen Republik Kongo, und 40 % des Lithiums werden aus China bezogen. Europa ist bei raffiniertem Lithium von China abhängig, da China für 76 % der weltweiten Batterieproduktion verantwortlich ist. Zwar befindet sich die Lithiumgewinnung in der Planungsphase, doch wird es noch zu lange dauern, bis die Förderung und Produktion tatsächlich realisiert sind. Portugal, das über die größten Lithiumreserven der EU verfügt, rechnet erst ab 2026 mit einer Produktion. Die Bewältigung der Herausforderungen bei der Rohstoffversorgung ist für Europa eine große Herausforderung, um die Verbreitung von elektrischen Nutzfahrzeugen zu steigern.

Der europäische Hersteller Volta Trucks war bei der Batterieversorgung von einem amerikanischen Unternehmen abhängig und musste den Betrieb einstellen, nachdem sein Zulieferer Proterra Insolvenz angemeldet hatte. Dieser Vorfall verdeutlicht, inwieweit die europäischen Akteure im Segment der elektrischen Nutzfahrzeuge bei der Batterieproduktion von anderen Ländern abhängig sind.

Andererseits könnten Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge (FCEVs) aufgrund ihrer größeren Reichweite, ihrer Fähigkeit, auch bei kaltem Wetter effizient zu arbeiten, und der im Vergleich zu Elektrofahrzeugen geringen bis nicht vorhandenen Betankungszeit die Verbreitung herkömmlicher Elektrofahrzeuge im Schwerlastsegment beeinträchtigen. Obwohl sich FCEVs derzeit noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden, könnten sie mit zunehmender Reife der Technologie den Markt für Elektrofahrzeuge, insbesondere im Schwerlastsegment, potenziell herausfordern.

Abbildung 3: Erwartete durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) für Elektrobusse, Elektro-Lkw und Elektro-Leicht-Nutzfahrzeuge bis 2030. Quelle: PTR Inc.


 

Zukunftsaussichten und Chancen

Obwohl die Einführung von Elektro-Nutzfahrzeugen mit gewissen Herausforderungen verbunden ist, wird erwartet, dass der Markt für E-Busse, E-Lkw und E-Leicht-Nutzfahrzeuge (gemessen an den Verkaufszahlen pro Einheit) bis 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 22 %, 29 % bzw. 45 % wachsen wird, wie aus Abbildung 3 hervorgeht.

Die EU hat beschlossen, dass ausschließlich elektrische Schwerlastfahrzeuge als emissionsfreie Fahrzeuge eingestuft werden. Es gab Diskussionen darüber, ob Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die mit alternativen Kraftstoffen betrieben werden, ebenfalls als emissionsfreie Fahrzeuge eingestuft werden sollten. Diese Debatte wurde jedoch bis 2027 zurückgestellt; dann soll die EU die Rolle eines CO₂-Korrekturfaktors (CCF) beim Übergang zu einer emissionsfreien Mobilität im Schwerlastfahrzeugsektor überprüfen. Diese Entwicklung kommt den Segmenten der elektrischen Schwerlastfahrzeuge zugute, da Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die mit alternativen Kraftstoffen betrieben werden, nicht (als emissionsfreie Fahrzeuge) mit Elektrofahrzeugen konkurrieren können.

Die EU hat ein Ziel von 100 % emissionsfreien Stadtbussen bis 2035 eingeführt und gleichzeitig ein Zwischenziel von 85 % für diese Kategorie bis 2030 festgelegt. Der Rat hat beschlossen, Überlandbusse von diesem Ziel auszunehmen, da in diesem Segment besondere Herausforderungen bestehen, wie beispielsweise Reichweitenangst und fehlende Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen.

Die EU hat die Richtlinie über umweltfreundliche Fahrzeuge erlassen, um eine flächendeckende umweltfreundliche Mobilität zu gewährleisten und Ziele für die Beschaffung umweltfreundlicher (emissionsarmer und emissionsfreier) Fahrzeuge festzulegen. Gemäß der Richtlinie sollen die meisten EU-Länder sicherstellen, dass vom 2. August 2021 bis zum 31. Dezember 2025 45 % der Busse und 10 % der Lkw umweltfreundliche Fahrzeuge sind. Vom 1. Januar 2026 bis zum 31. Dezember 2030 steigt das Ziel auf 65 % für Busse und 15 % für Lkw. Darüber hinaus soll die Hälfte der Ziele für Busse durch die Beschaffung von rein emissionsfreien Bussen erreicht werden. Die Richtlinie über umweltfreundliche Fahrzeuge wird dazu beitragen, die Einführung umweltfreundlicher Fahrzeuge in naher Zukunft zu beschleunigen.

Obwohl Länder, die sich gegen das Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor aussprechen, das Tempo der Elektrifizierung bremsen, bleibt das Bekenntnis zur Netto-Null-Emissions-Ziele bestehen, da eben diese Länder umfangreiche Subventionen bereitstellen, um ihre jeweiligen Ziele zu erreichen. Der Widerstand dieser Länder gegen das Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor rührt nicht von ihrer mangelnden Bereitschaft her, diese Ziele zu erreichen, sondern davon, dass sich die Ziele in der Praxis als schwer umsetzbar erweisen. Die Bereitschaft dieser Länder lässt sich daran ablesen, dass sie Mittel bereitstellen, um die Nachfrage nach und das Angebot an klimaneutralen Fahrzeugen zu fördern. Im Laufe der Jahre hat Deutschland im Rahmen zahlreicher Programme zur Ankurbelung der Märkte für E-Busse, E-Lkw und E-Leicht-Nutzfahrzeuge mehr als 3,2 Milliarden Dollar an Zuschüssen und Subventionen zugesagt.

Andere EU-Länder sind diesem Beispiel gefolgt und haben Milliarden Dollar bereitgestellt, um nicht nur die Nachfrage nach Elektro-Lkw, -Bussen und -Leicht-Nutzfahrzeugen anzukurbeln, sondern auch Steuererleichterungen für Anbieter solcher Fahrzeuge und Ladeinfrastrukturen zu ermöglichen. Diese Initiativen zeigen, dass sowohl die Länder, die sich gegen das Verbot von Verbrennungsmotoren aussprechen, als auch diejenigen, die es befürworten, sich für die Förderung umweltfreundlicher Fahrzeuge in Europa einsetzen.


Ein Blick in die Zukunft

Die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugflotten in Europa stellt einen entscheidenden Schritt in Richtung einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Zukunft dar und bietet sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile. Zwar ist der Übergang mit Herausforderungen verbunden, wie beispielsweise Problemen in der Lieferkette und der Abhängigkeit von der Batterieproduktion im Ausland, doch bleiben die Zukunftsaussichten vielversprechend, da die Region durch unterstützende politische Maßnahmen ein starkes Engagement für die Erreichung ihrer Ziele zur CO₂-Neutralität zeigt und über reichlich Ressourcen verfügt, die sie zur Erreichung dieser Ziele nutzen kann. Insbesondere wird für den Zeitraum 2022–2030 erwartet, dass die Absatzzahlen pro Einheit bei E-Bussen, E-Lkw und E-Leicht-Nutzfahrzeugen mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 22 %, 29 % bzw. 45 % steigen werden.

Darüber hinaus wird davon ausgegangen, dass FCEVs (mit zunehmender Reife der Technologie) die Einführung herkömmlicher Elektrofahrzeuge im Schwerlastsegment beeinflussen könnten. Die FCEV-Technologie bietet eine größere Reichweite und die Möglichkeit, bei niedrigen Temperaturen zu fahren, wobei die Betankungszeit (im Vergleich zu herkömmlichen Elektrofahrzeugen) vernachlässigbar gering ist.


Über die Autoren

 

Abdullah Shakil ist derzeit ein wichtiges Mitglied des Commercial and Off-Highway (COHV)-Teams bei PTR Inc. Bevor er zu PTR Inc. kam, sammelte er Erfahrungen auf dem pakistanischen Kapitalmarkt. Nach seinem Master-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften hat sich Abdullahs Schwerpunkt jedoch auf die Marktforschung zu Themen rund um den Markt für Fahrzeuge mit neuen Antriebstechnologien und die entsprechenden Unternehmen verlagert.

 

Saad Siddique, Analyst bei PTR Inc., führt umfassende Untersuchungen zur Marktentwicklung im Bereich Nutzfahrzeuge durch. Zu seinen Aufgaben gehören die Analyse technischer Fortschritte, historischer Trends und der wirtschaftlichen Machbarkeit, die sich auf die Branche auswirken. Darüber hinaus bewertet er die Position von Erstausrüstern (OEMs) im Bereich der neuen Energien und beobachtet deren finanzielle Entwicklung, um wertvolle Einblicke in die Wettbewerbslandschaft zu liefern. Saad schloss sein Bachelorstudium in Wirtschaftswissenschaften und Mathematik mit dem Nebenfach Informatik an der Lahore University of Management Sciences (LUMS) ab. Diese interdisziplinäre Ausbildung verleiht ihm einzigartige Kompetenzen, die quantitative Analyse mit einem fundierten Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge verbinden.

 

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an [email protected]

 

 

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