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Was erwartet uns im nächsten Jahrzehnt in der Elektroindustrie?

17. Juli 2025 | Artikel

Fünf Branchenführer geben einen Ausblick auf zukünftige Technologien und Trends.

Während sich die Elektroindustrie auf der CWIEME Berlin versammelt, sind sich viele Branchenführer einig, dass das nächste Jahrzehnt nicht von einem einzigen Durchbruch, sondern von zahlreichen transformativen Technologien geprägt sein wird. Von künstlicher Intelligenz, die Fertigungsprozesse revolutioniert, bis hin zu bahnbrechenden Materialien, die das Motordesign neu gestalten – die Branche steht an der Schwelle zu beispiellosen Veränderungen.

Eine Revolution in der Fertigung durch KI


Mladen Banovic, Transformatorenexperte und Gründer des „Transformers Magazine“, betrachtet künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen eher als Fortsetzung einer jahrzehntelangen Entwicklung denn als plötzliche Umwälzung. „Wir leisten in diesem Bereich seit Jahrzehnten Pionierarbeit, doch die Auswirkungen nehmen immer schneller zu“, erklärt er. Digitale Technologien verändern bereits jetzt Fertigungsprozesse, die vorausschauende Instandhaltung und die Qualitätskontrolle in der gesamten Branche.

Doch Banovics Vision geht über Software hinaus. Besonders begeistert ist er von amorphen Kernmaterialien, die aufgrund ihrer überragenden Energieeffizienz voraussichtlich erhebliche Marktanteile gewinnen werden. Mit Blick auf die Zukunft sieht er in Festkörpertransformatoren ein Potenzial für eine „wirklich bahnbrechende“ Entwicklung – eine Technologie, die die Art und Weise, wie elektrische Systeme konstruiert und betrieben werden, grundlegend verändern könnte.

Autonome Fahrsysteme


Dr. Prof. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management bietet einen umfassenderen Blick auf die Auswirkungen der Autonomie. Während in San Francisco und chinesischen Städten bereits Robotaxis im Einsatz sind, sieht Bratzel das autonome Fahren als eine transformative Kraft, die ganze Branchen neu gestalten wird – nicht nur den Verkehrssektor.

„Die derzeitigen Marktführer müssen sich anpassen, sonst laufen sie Gefahr, den Anschluss zu verlieren“, warnt er. Dieser technologische Wandel ist mehr als nur eine schrittweise Verbesserung – er bedeutet eine grundlegende Neukonzeption der Interaktion zwischen Fahrzeugen, Infrastruktur und Energiesystemen.

Design neu denken mit neuen Materialien


John Morehead, Berater und Vorstandsmitglied der CWIEME, weist auf eine historische Einschränkung hin, die nun endlich angegangen wird: die traditionelle Abhängigkeit der Motorenindustrie von Grundstoffen wie Stahl und Kupfer. „Den Motorenherstellern selbst fehlten einfach die Forschungs- und Entwicklungsbudgets, um sich intensiv mit der Erforschung neuer Werkstoffe zu befassen“, stellt er fest.

Dies ändert sich derzeit grundlegend. Neue magnetische Werkstoffe, weichmagnetische Verbundwerkstoffe, fortschrittliche Legierungen und speziell für die 3D-Fertigung entwickelte Materialien stehen kurz davor, die Leistung, Lebensdauer, Effizienz und das Lebenszyklusmanagement von Motoren zu revolutionieren. Die Auswirkungen gehen weit über schrittweise Verbesserungen hinaus – diese Materialien könnten völlig neue Ansätze für die Konstruktion und Fertigung von Motoren ermöglichen.

Der Bedarf an grüner Energie


Ales Bertuzzi, Berater für Transformatorenprozesse und Vorstandsmitglied der CWIEME, betrachtet die technologische Entwicklung als eine ökologische Notwendigkeit. Seine Begeisterung für umweltfreundliche und erneuerbare Technologien, verbunden mit dem Aufschwung der E-Mobilität, spiegelt die branchenweite Erkenntnis wider, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Option ist – sie ist ein Gebot der Stunde.

„Es gibt eine deutliche Abkehr von traditionellen Praktiken in der Öl- und Gasindustrie, und nachdem wir schon seit Jahrzehnten erkannt haben, dass Veränderungen notwendig sind, sehen wir nun endlich echte Fortschritte“, bemerkt Bertuzzi. Die Batterietechnologie und die Erzeugung grüner Energie entwickeln sich rasant weiter und schaffen neue Anforderungen an die Energieinfrastruktur, die mit der zunehmenden Elektromobilität und dem öffentlichen Nahverkehr Schritt halten kann.

Bertuzzis Vision reicht bis zur ultimativen Energielösung: der Kernfusion. „Wenn wir das schaffen, könnte die Fusion die Technologie mit der größten Wirkung von allen sein, und es scheint, als kämen wir dem Ziel näher.“ Auch wenn die Fusion noch in weiter Ferne liegt, zeigt seine Einbeziehung kleiner Kernreaktoren in den kurzfristigen Energiemix den pragmatischen Ansatz der Branche bei der Dekarbonisierung.

Zusammenarbeit neu gestalten


Die vielleicht überraschendste Erkenntnis stammt von Marcel Hilgers, Vizepräsident bei thyssenkrupp, der die Annahme in Frage stellt, dass Technologie allein den Wandel vorantreiben wird. Hilgers räumt zwar ein, wie wichtig es ist, Energieverluste bei Elektrostahl zu reduzieren, ist jedoch der Ansicht, dass der eigentliche Wendepunkt im Wesentlichen menschlicher Natur sein wird: „Der größte Treiber unserer Branche in den kommenden Jahren wird nicht die Technologie sein, sondern die Zusammenarbeit und die Fähigkeit, gemeinsam entlang der Wertschöpfungskette zu wachsen.“

Hilgers Sichtweise hebt drei entscheidende Säulen für die Zukunft der Branche hervor: Zusammenarbeit, Dekarbonisierung und Widerstandsfähigkeit. Dies macht deutlich, dass selbst in Zeiten rasanten technologischen Fortschritts die Fähigkeit, über traditionelle Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten, die wertvollste Innovation von allen sein könnte.

Diese Branchenführer zeichnen ein Bild des Wandels, das ebenso spannend wie anspruchsvoll ist. Um im nächsten Jahrzehnt erfolgreich zu sein, bedarf es nicht nur technologischer Innovationen, sondern auch der Weisheit, diese Fortschritte umsichtig zu integrieren.

Es steht fest, dass das nächste Jahrzehnt von jenen geprägt sein wird, die es schaffen, diese transformativen Kräfte erfolgreich zu meistern und dabei den Fokus auf den Aufbau einer effizienteren, nachhaltigeren und vernetzteren Welt zu behalten.

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Veranstaltungsort

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