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Wasserstoffmobilität: Warum der Weg dorthin holpriger ist als erwartet

18. November 2025 | Artikel | Von Priyanka Mohapatra, Senior Research Analyst, S&P Global Mobility

Das Versprechen der Wasserstoffmobilität stößt auf eine harte Realität

Die Wasserstoffmobilität, die einst als Revolution für saubere Energie im Verkehrssektor gefeiert wurde, hat es heute deutlich schwerer als erwartet. Trotz bedeutender technologischer Fortschritte und vielbeachteter Initiativen steht der Markt für Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV) vor wachsenden Herausforderungen – von kostspieliger Infrastruktur bis hin zur geringen Akzeptanz bei den Verbrauchern.

Im Jahr 2025 kündigten große Automobilhersteller wie General Motors (GM) und Stellantis die Einstellung ihrer Wasserstoff-Brennstoffzellenprogramme an, was die wachsende Unsicherheit im Bereich der wasserstoffbetriebenen Mobilität unterstreicht.

Autohersteller ziehen sich zurück: GM, Stellantis und HYVIA steigen aus

Im Oktober 2024 stellte GM die Entwicklung von Wasserstoff-Brennstoffzellen der nächsten Generation unter seiner Marke HYDROTEC ein und begründete dies mit hohen Produktionskosten und dem Fehlen eines funktionsfähigen Wasserstofftanknetzes. Das Unternehmen wird sich künftig wieder auf batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) und Ladetechnologie konzentrieren, während es im Rahmen seiner Partnerschaft mit Honda weiterhin Brennstoffzellen für Rechenzentren und die Stromerzeugung produzieren wird.

Ebenso stellte Stellantis im Juli 2024 sein Programm für Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie aufgrund hoher Kosten, begrenzter Infrastruktur und geringer Nachfrage seitens der Verbraucher ein. Der Automobilhersteller strich seine geplante „Pro One“-Reihe von Wasserstoff-Transportern aus dem Programm und setzte die Produktionspläne in Frankreich und Polen aus.

„Die Wasserstoffmobilität ist nach wie vor eine Nische und weist kurzfristig keine wirtschaftliche Tragfähigkeit auf“, sagte Jean-Philippe Imparato, COO für das erweiterte Europa bei Stellantis.

Die Auswirkungen erstreckten sich auch auf HYVIA, das 2021 gegründete Joint Venture von Renault und Plug Power zur Förderung wasserstoffbetriebener leichter Nutzfahrzeuge. Im Februar 2025 ging HYVIA in die gerichtliche Liquidation, nachdem es nicht gelungen war, einen Käufer zu finden – ein weiteres Opfer des langsamen Wachstums des Wasserstoff-Ökosystems und der unerschwinglichen Innovationskosten.

Wasserstoffinfrastruktur: Der zentrale Engpass

Ein entscheidendes Hindernis für die Verbreitung von Wasserstoff-Fahrzeugen (FCEV) ist der Mangel an Wasserstofftankstellen (HRS).

Bis Ende 2024 waren weltweit nur 1.160 Tankstellen in Betrieb – ein krasser Gegensatz zu den 4,5 Millionen Ladestationen für Elektrofahrzeuge weltweit. In Europa gibt es 294 Tankstellen und in Asien 748, davon 384 auf dem chinesischen Festland. Die geringe Anzahl betriebsbereiter HRS macht das Betanken von Wasserstoffautos umständlich und kostspielig, zumal FCEVs nicht zu Hause betankt werden können.

Erschwerend kommt hinzu, dass mehrere Betreiber ihre HRS-Netzwerke für leichte Nutzfahrzeuge zurückfahren. Im Februar 2024 schloss Shell seine sieben kalifornischen Wasserstofftankstellen für Pkw und verlagerte den Schwerpunkt auf Schwerlast-Lkw. Ebenso konsolidierte H2 Mobility Germany sein Tankstellennetz, schloss ältere Tankstellen und konzentrierte sich fortan auf größere 350–700-bar-Anlagen für Busse und Nutzfahrzeuge.

Die begrenzte Reichweite von Wasserstofftankstellen schreckt die Verbraucher weiterhin ab und führt zu einem Teufelskreis aus geringer Akzeptanz und langsamen Infrastrukturinvestitionen.

Wirtschaftliche Tragfähigkeit und Finanzierungslücken

FCEVs sind aufgrund der kostspieligen Brennstoffzellenkomponenten und der Wasserstoffproduktion nach wie vor teurer als BEVs. Auch die Preise für das Betanken sind im Vergleich zu Benzin oder dem Aufladen von Elektrofahrzeugen höher.

Ohne konsequente staatliche Anreize hat der Markt für Wasserstoffmobilität Schwierigkeiten, an Fahrt zu gewinnen. Weltweit gibt es zwar zahlreiche öffentlich-private Partnerschaften, Fördermittel und Projekte für grünen Wasserstoff, doch fehlt es ihnen oft an langfristiger politischer Stabilität – die jedoch unerlässlich ist, um OEMs und Flottenbetreiber zu einem Engagement zu bewegen.

Die Lichtblicke: Toyota, BMW, Hyundai und Honda bleiben zuversichtlich

Nicht alle Automobilhersteller geben Wasserstoff auf. Branchenführer wie Toyota, BMW, Hyundai und Honda investieren weiterhin massiv in Innovationen im Bereich der Brennstoffzellen.

  • BMW und Toyota: Die beiden Unternehmen kündigten Pläne an , bis 2028 ein serienreifes Wasserstofffahrzeug auf den Markt zu bringen, und bauen dabei auf einer seit einem Jahrzehnt bestehenden Zusammenarbeit bei der Entwicklung gemeinsamer Brennstoffzellensysteme auf.

  • Toyota: Auf der ACT Expo 2025 stellte das Unternehmen sein Brennstoffzellensystem der dritten Generation vor, das sich durch einen um 20 % höheren Wirkungsgrad und eine Lebensdauer von 600.000 Meilen für Schwerlast-Lkw auszeichnet. Zudem investiert das Unternehmen gemeinsam mit Air Liquide und Iwatani in Wasserstofftankstellen in Kalifornien.

  • Hyundai: Präsentierte in Seoul die zweite Generation des NEXO FCEV mit einem neuen 110-kW-Brennstoffzellenstapel und einer Reichweite von über 700 km

  • Honda: Kündigte die Serienproduktion eines 150-kW-Brennstoffzellenmoduls bis 2027 an , das eigenständig sowohl für Fahrzeuge als auch für die stationäre Stromversorgung entwickelt wurde.

Diese Erstausrüster diversifizieren die Anwendungsbereiche von Wasserstoff – von der Schifffahrt und Luftfahrt bis hin zu stationären Energiesystemen –, was darauf hindeutet, dass Wasserstoff auch über den Personenverkehr hinaus Erfolg haben könnte.

FCEVs stecken noch in den Kinderschuhen

Trotz anhaltender Innovationen steckt der Markt für Brennstoffzellenfahrzeuge noch in den Kinderschuhen.

Laut S&P Global Mobility werden Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEVs) bis 2037 nur 0,22 % des weltweiten Absatzes an Leichtfahrzeugen ausmachen, während der Anteil der reinen Elektrofahrzeuge (BEVs) über 50 % liegen wird. Die Nachfrageprognosen für Brennstoffzellenstapel sind in den aufeinanderfolgenden Prognosen für 2025 zurückgegangen, was das nachlassende kurzfristige Vertrauen unterstreicht.

Derzeit dominieren Japan und Südkorea die Einführung von Brennstoffzellenfahrzeugen und machen 71 % der weltweiten Nachfrage aus.

Eine Zukunft, die auf Zusammenarbeit und Investitionen basiert

Der langsame Fortschritt der Wasserstoffmobilität bedeutet nicht ihr Ende – er unterstreicht jedoch die Notwendigkeit nachhaltiger öffentlicher und privater Investitionen. Der Ausbau der Tankinfrastruktur, die Steigerung der Wasserstoffproduktion und die Senkung der Kosten durch Forschung und Entwicklung werden entscheidend sein, um ein tragfähiges Wasserstoff-Ökosystem zu schaffen.

Wie Kartik Ganesh, Principal Analyst bei S&P Global Mobility, feststellt:

„Die Herausforderungen, denen Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge gegenüberstehen, unterstreichen die Notwendigkeit einer robusten Infrastruktur und nachhaltiger Investitionen. Innovation und Zusammenarbeit zwischen den Erstausrüstern könnten dennoch den Weg für eine tragfähige Wasserstoffwirtschaft in der Zukunft ebnen.“

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