Die KI-Infrastruktur sorgt für einen neuen Strombedarf. Für Anbieter von Schaltanlagen entwickelt sich diese Chance rasant.
Der Ausbau der KI und der Rechenzentren in Europa bringt eine neue Herausforderung mit sich, die über die Rechenkapazität hinausgeht: die Bereitstellung der erforderlichen elektrischen Infrastruktur zur Stromversorgung dieser Anlagen.
Dieses Thema ist in der vergangenen Woche stärker in den Fokus gerückt, da sich die Branchen diskussion rund um die Energiewende in Europa zunehmend auf Netzkapazitäten, Verzögerungen bei Netzanschlüssen und die Fähigkeit bestehender Netze, große neue Lasten aufzunehmen, konzentriert hat. Rechenzentren entwickeln sich dabei zu einem wichtigen Faktor in diesem Zusammenhang.
Für den Schaltanlagenmarkt sind die Auswirkungen erheblich.
Das Wachstum im Bereich der KI entwickelt sich zu einer Frage der Energieinfrastruktur
KI-Workloads erfordern Rechenzentren mit immer höherer Leistungsdichte, was höhere Anforderungen an die elektrischen Systeme stellt, die die Anlagen an das Stromnetz anschließen und den Strom innerhalb der einzelnen Standorte verteilen.
Jüngste Untersuchungen zu KI-Rechenzentren der nächsten Generation zeigen, dass zunehmende KI-Workloads zu einem höheren Strombedarf, Stromtransienten und thermischer Belastung führen. Dies deutet auf erhebliche Veränderungen in der Architektur der Stromversorgung hin, darunter den verstärkten Einsatz von Mittelspannungstechnologien.
Damit rücken Anlagen wie Mittelspannungsschaltanlagen, Transformatoren, Schutzsysteme und Umspannwerke eindeutig in den Fokus.
Die Hersteller reagieren bereits darauf.
ABB kündigte Anfang dieses Jahres eine Investition in Höhe von 200 Millionen US-Dollar in sein europäisches Produktionsnetzwerk für Mittelspannungsprodukte an. Das Programm sieht den Ausbau der Produktionskapazitäten für Technologien wie Schaltanlagen und Netzautomatisierung vor, wobei ABB insbesondere das Wachstum im Bereich der Rechenzentren sowie die Modernisierung der Stromnetze und die Integration erneuerbarer Energien als Nachfragefaktoren nennt.
Die steigende Nachfrage trifft auf ein bereits ausgelastetes Stromnetz
Die Herausforderung besteht darin, dass das Wachstum der Rechenzentren gerade jetzt einsetzt, während die europäischen Netzbetreiber bereits daran arbeiten, die Kapazitäten zu erhöhen, Rückstände bei den Netzanschlüssen abzubauen und veraltete Infrastruktur zu ersetzen.
Für Schaltanlagenhersteller und ihre Lieferketten bedeutet dies sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance.
Energieversorger benötigen Anlagen zur Verstärkung ihrer Übertragungs- und Verteilungsnetze. Betreiber von Rechenzentren benötigen zuverlässige Stromverteilungssysteme, die immer anspruchsvollere Lasten bewältigen können. Gleichzeitig stellen Hersteller auf neue Technologien um, darunter SF₆-freie Schaltanlagen.
Das Ergebnis ist ein Markt, auf dem Produktionskapazitäten, Produktverfügbarkeit und Lieferzeiten eine immer größere Rolle spielen.
Diese Belastungen spiegeln genau die Herausforderungen wider, denen Netzbetreiber in ganz Europa gegenüberstehen, darunter Kapazitätsengpässe im Netz, Rückstände bei den Netzanschlüssen und Engpässe in der Fertigung. Für die T&D-Community der CWIEME Berlin werden die Reduzierung von Lieferrisiken und die Abstimmung der Netzanschlussanforderungen auf die Fertigungskapazitäten zu zentralen Prioritäten.
Die Chance für die Elektroindustrie
Der Ausbau der KI-Infrastruktur wird nicht allein durch Rechenhardware erfolgen.
Hinter jeder neuen Anlage steht eine umfangreiche Wertschöpfungskette im Bereich der Elektrotechnik – von Schaltanlagen und Transformatoren bis hin zu Leitungen, Isolierungen, Überwachungssystemen und Netzausrüstung.
Da Europa daran arbeitet, neue Quellen des Strombedarfs zu integrieren, wird eine engere Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern, Anlagenherstellern und deren Zulieferern von entscheidender Bedeutung sein.
Für die Schaltanlagenbranche könnte KI daher mehr als nur einen weiteren Endmarkt darstellen. Sie könnte zu einer der treibenden Kräfte werden, die die nächste Phase der Investitionen in die elektrische Infrastruktur prägen.



















