Da die Elektrifizierung eine beispiellose Nachfrage nach Netzinfrastruktur auslöst, stehen Hersteller von Transformatoren und Schaltanlagen vor vielen ähnlichen Herausforderungen, was Möglichkeiten zum Wissensaustausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette eröffnet.
Die Transformatoren- und Schaltanlagenindustrie agiert traditionell als eigenständiger Sektor innerhalb des übergeordneten Energieökosystems.
Sie bedienen unterschiedliche Anwendungsbereiche, stellen unterschiedliche Produkte her und nehmen oft an unterschiedlichen Fachkonferenzen teil. Doch da die Energieversorger ihre Investitionen in die Übertragungs- und Verteilungsinfrastruktur vorantreiben, werden die Herausforderungen, denen sich beide Branchen gegenübersehen, immer ähnlicher.
Die Hersteller müssen eine beispiellose Nachfrage mit Engpässen in der Lieferkette in Einklang bringen. Die Kunden erwarten kürzere Lieferzeiten, ohne dass dabei Abstriche bei der Qualität gemacht werden. Digitale Technologien verändern sowohl die Produktion als auch das Anlagenmanagement, während sich die Produktentwicklung durch sich wandelnde Vorschriften weiter neu ausrichtet.
Das Ergebnis ist, dass einige der wertvollsten Innovationen möglicherweise nicht aus einem einzelnen Sektor stammen, sondern aus dem Ideenaustausch innerhalb der gesamten Elektroindustrie.
Für Transformatorenhersteller bietet die rasante Entwicklung im Bereich der Schaltanlagen zahlreiche praktische Erkenntnisse, die die Fertigung stärken, die Zusammenarbeit mit den Kunden verbessern und das langfristige Wachstum fördern können.
Entwicklung von Produkten über den gesamten Lebenszyklus von Vermögenswerten hinweg
Eine der größten Veränderungen in der Schaltanlagenfertigung war der Wandel vom reinen Verkauf von Anlagen hin zur Schaffung langfristiger Vermögenswerte.
Moderne Schaltanlagen verfügen zunehmend über integrierte Sensoren sowie digitale Überwachungs- und Diagnosefunktionen, die den Energieversorgern während der gesamten Lebensdauer der Anlagen einen kontinuierlichen Einblick in den Betriebszustand ermöglichen.
Transformatorenhersteller haben in Bereichen wie der Analyse gelöster Gase, der thermischen Überwachung und der Online-Zustandsbewertung bereits erhebliche Fortschritte erzielt. Der allgemeine Trend hin zu integrierter Anlagenintelligenz zeigt jedoch, wie Hersteller auch lange nach dem Verlassen der Fabrik noch Mehrwert schaffen können.
Versorgungsunternehmen bewerten Produkte nicht mehr ausschließlich anhand ihrer ursprünglichen Spezifikationen.
Sie suchen zunehmend nach Anlagen, die eine vorausschauende Instandhaltung ermöglichen, die Transparenz im Betrieb verbessern und die Gesamtbetriebskosten über mehrere Jahrzehnte hinweg senken.
Hersteller, die ihre Produkte unter Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus der Anlagen entwickeln, werden für ihre Kunden wahrscheinlich zu stärkeren langfristigen Partnern.
Standardisierung kann die Bereitstellung verbessern, ohne dass dabei die Leistung beeinträchtigt wird
Sowohl Transformator- als auch Schaltanlagenhersteller stehen unter zunehmendem Druck, die Lieferzeiten zu verkürzen und gleichzeitig die technische Qualität aufrechtzuerhalten.
Eine Erkenntnis, die sich in der gesamten Schaltanlagenfertigung abzeichnet, ist der Nutzen standardisierter Produktplattformen.
Anstatt für jedes Projekt vollständig maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, suchen viele Hersteller nach Möglichkeiten, Kernkonstruktionen zu standardisieren und gleichzeitig dort Flexibilität zu wahren, wo Kunden diese tatsächlich benötigen.
Für Transformatorenhersteller wirft dies wichtige Fragen auf.
Lassen sich manche technischen Prozesse besser reproduzierbar gestalten?
Gibt es Möglichkeiten, Zubehör, Kühlsysteme oder interne Konstruktionselemente zu standardisieren und dabei die kundenspezifischen Leistungsanforderungen zu erfüllen?
Durch die Reduzierung unnötiger Abweichungen lassen sich Entwicklungszyklen verkürzen, die Beschaffung vereinfachen und die Fertigungseffizienz steigern, ohne dabei Abstriche bei der technischen Leistung zu machen.
Da die Auftragsbestände weiter wachsen, gewinnen diese Effizienzsteigerungen zunehmend an Bedeutung.
Die digitale Fertigung schafft Wettbewerbsvorteile
Die hergestellten Produkte werden immer intelligenter, aber das gilt auch für die Fabriken, in denen sie produziert werden.
Schaltanlagenhersteller investieren massiv in Automatisierung, digitales Qualitätsmanagement, vernetzte Prüfsysteme und Rückverfolgbarkeit in der Produktion.
Diese Technologien sorgen für mehr Konsistenz und bieten den Herstellern gleichzeitig einen besseren Überblick über jede Phase der Produktion.
Transformatorenhersteller tätigen ähnliche Investitionen, insbesondere in die Automatisierung der Wicklung, Robotik, digitale Prüfverfahren und fortschrittliche Prüftechnologien.
Die Chance liegt darin, diesen Wandel fortzusetzen.
Die digitale Fertigung unterstützt:
-
Höherer Produktionsdurchsatz
-
Verbesserte Qualitätskonsistenz
-
Bessere Produktionsplanung
-
Bessere Rückverfolgbarkeit der Materialien
-
Schnellere Erkennung von Problemen in der Fertigung
-
Stärkeres Kundenvertrauen
Da Versorgungsunternehmen zunehmend detaillierte Fertigungsunterlagen und Qualitätsaufzeichnungen verlangen, werden digitale Produktionssysteme zunehmend zu einem Wettbewerbsvorteil und sind nicht mehr nur eine operative Verbesserung.
Eine frühzeitige Zusammenarbeit führt zu besseren Ergebnissen
In der Vergangenheit wurden Hersteller oft erst dann einbezogen, wenn wichtige Projektentscheidungen bereits getroffen worden waren.
Heutzutage arbeiten viele Anbieter von Schaltanlagen bereits in den frühen Planungsphasen enger mit Energieversorgern und EPC-Unternehmen zusammen, um sicherzustellen, dass die Auswahl der Anlagen, die technischen Spezifikationen und die Liefertermine von Anfang an aufeinander abgestimmt sind.
Auch Transformatorenhersteller können von diesem Ansatz profitieren.
Durch eine frühzeitige Einbindung können Hersteller praktische Einblicke in Fertigungsdurchlaufzeiten, Materialverfügbarkeit, Prüfanforderungen und konstruktive Aspekte einbringen, noch bevor Beschaffungsentscheidungen endgültig getroffen werden.
Dieser kooperative Ansatz trägt dazu bei, Projektrisiken zu verringern und gleichzeitig die Umsetzungssicherheit für alle Beteiligten zu erhöhen.
Zudem stärkt dies die Beziehungen, indem Hersteller nicht mehr nur als Ausrüstungslieferanten, sondern als strategische Partner positioniert werden.
Nachhaltigkeit geht über das Produktdesign hinaus
Die Umweltbilanz gewinnt in der gesamten Elektroindustrie zunehmend an Bedeutung.
Der Wandel in der Schaltanlagebranche hin zu Alternativen zu SF₆ hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit gleichzeitig Einfluss auf die Produktentwicklung, Investitionen in die Fertigung und die Erwartungen der Kunden nehmen kann.
Für Transformatorenhersteller geht Nachhaltigkeit weit über die betriebliche Effizienz hinaus.
Zu den Bereichen, denen zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt wird, gehören:
-
Materialbeschaffung
-
Kohlenstoffarme Fertigung
-
Prinzipien der Kreislaufwirtschaft
-
Wiederaufarbeitung und Überholung
-
Recycelbarkeit
-
Bewertung des Produktlebenszyklus
Kunden erwarten zunehmend von den Herstellern, dass diese darlegen, wie Umweltaspekte sowohl in die Produktentwicklung als auch in die Fertigungsprozesse integriert wurden.
Dies eröffnet Chancen für Unternehmen, die in umweltfreundlichere Produktionsmethoden und eine effizientere Nutzung von Rohstoffen investieren.
Die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette entwickelt sich zu einer strategischen Kompetenz
Beide Branchen hatten in den letzten Jahren mit erheblichen Störungen in der Lieferkette zu kämpfen.
Elektroband, Kupfer, spezielle Isoliermaterialien, elektronische Bauteile und qualifizierte Arbeitskräfte sind nach wie vor Bereiche, die vielen Herstellern Sorgen bereiten.
Die Hersteller von Schaltanlagen haben darauf reagiert, indem sie ihre Beziehungen zu Lieferanten gestärkt, ihre Beschaffungsstrategien diversifiziert und die Transparenz in der Lieferkette verbessert haben.
Die Transformatorenhersteller verfolgen viele der gleichen Initiativen.
Die Lehre daraus ist klar.
Das Lieferkettenmanagement ist längst nicht mehr nur eine rein operative Aufgabe. Es hat sich zu einer strategischen Kompetenz entwickelt, die direkten Einfluss auf die Lieferleistung, die Kundenzufriedenheit und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit hat.
Hersteller, die widerstandsfähige Lieferantennetzwerke aufbauen, werden besser aufgestellt sein, um auf die künftige Nachfrage zu reagieren.
Der Wissensaustausch kommt der gesamten Branche zugute
Obwohl sie unterschiedliche Anlagen herstellen, sehen sich Transformator- und Schaltanlagenhersteller zunehmend mit gemeinsamen geschäftlichen Herausforderungen konfrontiert.
Beide Branchen investieren in die Automatisierung. Beide entwickeln digitale Produkte. Beide passen sich den sich ändernden Vorschriften an. Beide gehen gegen den Arbeitskräftemangel vor. Beide unterstützen den Ausbau erneuerbarer Energien und moderner Stromnetze.
Diese gemeinsamen Erfahrungen bieten Herstellern die Möglichkeit, voneinander zu lernen, anstatt ähnliche Probleme jeweils eigenständig zu lösen.
Bei Innovation geht es nicht immer darum, völlig neue Technologien zu entwickeln.
Manchmal entsteht sie dadurch, dass man bewährte Ideen auf unterschiedliche Weise anwendet.
Zusammenarbeit wird die nächste Generation der Fertigung prägen
Angesichts des rasanten Tempos der Elektrifizierung können es sich die Hersteller nicht leisten, isoliert zu agieren.
Der Ausbau des Stromnetzes, die Elektrifizierung der Industrie, die Einbindung erneuerbarer Energien und die digitale Infrastruktur hängen alle von einer engeren Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Elektroindustrie ab.
Deshalb ist es heute wichtiger denn je, Transformatorenhersteller, Schaltanlagenhersteller, Energieversorger, Zulieferer, Maschinenbauer und Technologieunternehmen an einen Tisch zu bringen.
Die CWIEME Berlin bietet eine Plattform, auf der solche Gespräche stattfinden können. Indem die Veranstaltung Unternehmen zusammenbringt, die traditionell in unterschiedlichen Bereichen der Branche tätig waren, schafft sie Gelegenheiten zum Gedankenaustausch, zum Vergleich von Fertigungsansätzen und zur Erarbeitung praktischer Lösungen für gemeinsame Herausforderungen.
Die Zukunft der Elektroindustrie wird nicht von einem einzigen Sektor allein geprägt werden.
Dies wird durch die Zusammenarbeit von Branchen erreicht, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind, voneinander lernen und gemeinsam daran arbeiten, die widerstandsfähige und zuverlässige Infrastruktur zu schaffen, die die Energiewende erfordert.
Für Transformatorenhersteller liegen einige der wertvollsten Erkenntnisse möglicherweise bereits direkt auf der anderen Seite der Messehalle.



















