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Europas Aktionsplan zur Elektrifizierung: Was bedeutet das für die Industrie?

19. August 2026 | Artikel

Die EU strebt an, dass bis 2040 46 % des Energieverbrauchs durch Strom gedeckt werden. Was bedeutet das für die Lieferkette in Europa?

Die Energiewende in Europa entwickelt sich von der Planung zur Umsetzung. 

Am 17. Juli 2026 veröffentlichte die Europäische Kommission ihren Aktionsplan zur Elektrifizierung, in dem sie ein Richtziel festlegte, wonach der Stromanteil am Endenergieverbrauch der EU bis 2040 46 % betragen soll. Derzeit liegt dieser Anteil bei 23 %, wobei für 2030 ein Referenzwert von 32 % festgelegt wurde. 

Die Richtung ist klar: Europa will, dass ein deutlich größerer Teil seiner Industrie, seines Verkehrs und seiner Gebäude mit Strom statt mit fossilen Brennstoffen betrieben wird. 

Für die Lieferkette der Elektroindustrie ergeben sich daraus Chancen. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Infrastruktur, die Produktionskapazitäten und die Materialien, die für die Umsetzung der Elektrifizierung benötigt werden. 

Warum die Elektrifizierung immer mehr an Bedeutung gewinnt 

Europa hat bei der Ökologisierung der Stromerzeugung bereits erhebliche Fortschritte erzielt. Im Jahr 2025 deckten erneuerbare Energien 49,9 % des Bruttostromverbrauchs der EU ab, verglichen mit 15,9 % im Jahr 2004. Dennoch macht Strom nach wie vor weniger als ein Viertel des Endenergieverbrauchs aus. 

Der Aktionsplan zur Elektrifizierung zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen. 

Die Kommission schätzt, dass die Erreichung ihres Ziels für 2040 die Kosten der EU für den Import fossiler Brennstoffe um 260 Milliarden Euro pro Jahr senken könnte, was die Energiesicherheit stärken und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit sowie die Dekarbonisierung fördern würde. 

Ein derart starker Anstieg des Strombedarfs erfordert jedoch mehr, als nur eine Energiequelle durch eine andere zu ersetzen. 

Das bedeutet, das Stromnetz zu stärken, die Produktionskapazitäten auszubauen, den Zugang zu Ausrüstung und Materialien zu verbessern und den Einsatz von Technologien in Industrieanlagen, Verkehrsnetzen und Gebäuden zu beschleunigen. 

Das Netz wird zu einer entscheidenden Einschränkung 

Die Netzkapazität ist bereits heute eines der größten Hindernisse für die Elektrifizierung. Die Kommission räumt ein, dass Netzanschlüsse Jahre dauern können und Strom deutlich teurer sein kann als Gas. Ihr Plan sieht daher Maßnahmen vor, die den Ausbau des Netzes beschleunigen sollen, sowie Änderungen, die darauf abzielen, die Preisdifferenz zwischen Strom und fossilen Brennstoffen zu verringern. 

Für Übertragungsnetzbetreiber (TSOs) und Verteilernetzbetreiber (DSOs) verschärft der steigende Strombedarf den bestehenden Druck hinsichtlich Anschlussrückstände, Netzkapazitäten, alternder Infrastruktur und der Verfügbarkeit von Anlagen. Für Hersteller gewinnt die Verfügbarkeit von Transformatoren, standardisierte Konstruktionen, der Produktionsdurchsatz und die Versorgungssicherheit zunehmend an Bedeutung. 

Die Beziehung zwischen Netzbetreibern und der Fertigungslieferkette wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Transformatoren, Leiter, Elektrostahl, Isoliermaterialien, Wicklungssysteme, Überwachungsgeräte und andere Komponenten bilden die Verbindung zwischen den Elektrifizierungszielen Europas und deren Umsetzung vor Ort. Die Wertschöpfungskette der CWIEME Berlin verbindet diese Materialien und Technologien bereits mit Anwendungen in den Bereichen Transformatoren, Motoren und Energietechnik. 

Die industrielle Elektrifizierung rückt näher an die Fertigung heran 

Die Industrie macht fast ein Viertel des Energiebedarfs der EU aus, doch der Übergang von fossilen Brennstoffen zu Strom verläuft nach wie vor nur langsam. Die Kommission nennt Stromkosten, Netzengpässe, Investitionsbedarf und politische Unsicherheit als Hindernisse, die den Fortschritt bremsen. 

Es besteht ein erhebliches technisches Potenzial. Die Kommission verweist auf industrielle Wärmepumpen und Elektroheizkessel, die Prozesswärme von bis zu 400 bis 500 °C liefern können, während eine Studie vom Juli 2026 ein technisches Potenzial von mehr als 2.000 TWh für die Elektrifizierung der Industrie bis 2040 ermittelt hat. 

Für Hersteller von Elektrogeräten rückt damit die Produktion in den Mittelpunkt. Mit der zunehmenden Elektrifizierung industrieller Prozesse steigen auch die Anforderungen an Motoren, Transformatoren, Leistungselektronik, Komponenten und die dafür benötigten Werkstoffe. 

Elektromotoren spielen dabei eine besonders wichtige Rolle. Die Elektrifizierung der Industrie, Wärmepumpen, die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Rechenzentren und die Schwerindustrie setzen politische Ziele in eine Nachfrage nach elektrischen Geräten um. 

Der Verkehr wird enger mit dem Stromnetz verzahnt 

Der Verkehrssektor ist nach wie vor stark von fossilen Brennstoffen abhängig, auf die rund 90 bis 95 % des Energieverbrauchs dieses Sektors entfallen. Die Elektrifizierung stellt daher eine weitere wichtige Quelle für den künftigen Strombedarf dar. 

Elektrofahrzeuge stellen jedoch nicht einfach nur neue Lasten für das Stromnetz dar. 

Durch intelligentes Laden lässt sich der Stromverbrauch auf Zeiten verlagern, in denen erneuerbare Energien reichlich zur Verfügung stehen oder die Strompreise niedriger sind. Dank bidirektionalem Laden könnten Elektrofahrzeuge zudem Strom zurück ins Netz speisen und so zu dezentralen Energiequellen werden. 

Dies stellt neue Anforderungen an die Elektromotortechnik, die Ladeinfrastruktur, das Netzmanagement und die Energiesysteme. 

Politik in konkrete Infrastruktur umsetzen 

Der europäische Aktionsplan zur Elektrifizierung gibt die Richtung vor, doch seine Umsetzung hängt von den Unternehmen ab, die die Technologie hinter dem Stromnetz entwickeln, herstellen, spezifizieren und betreiben. 

Für Ingenieure, Beschaffungsteams, F&E-Verantwortliche, Hersteller und Netzbetreiber wird die nächste Phase der Elektrifizierung von praktischen Fragen geprägt sein: Wie lässt sich die Kapazität steigern? Wo lassen sich die Vorlaufzeiten verkürzen? Welche Technologien sind bereit für den großflächigen Einsatz? Und wie kann die Lieferkette einen höheren Strombedarf bewältigen, ohne die Versorgungssicherheit zu beeinträchtigen? 

Das sind Herausforderungen, die kein einzelner Teil der Wertschöpfungskette allein bewältigen kann. 

Die CWIEME Berlin bringt die globale Lieferkette der Elektroindustrie zusammen, um die Menschen zu vernetzen, die die Technologie entwickeln, mit der die Welt elektrifiziert wird.

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