KI und digitale Zwillinge tragen zur Modernisierung der Stromnetze bei, doch die Datenqualität und die Standards stellen nach wie vor die größte Herausforderung dar.
Da die Stromnetze immer komplexer werden, stehen die Netzbetreiber unter zunehmendem Druck, mehr Anlagen zu verwalten, mehr erneuerbare Energien zu integrieren und auf sich verändernde Stromnachfragemuster zu reagieren. Die Digitalisierung wird oft als Lösung angepriesen, wobei künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge und fortschrittliche Analysemethoden eine neue Ära des intelligenteren Anlagenmanagements versprechen.
Doch Technologie allein wird das Stromnetz nicht modernisieren.
Für Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) und Verteilernetzbetreiber (VNB) besteht die eigentliche Herausforderung darin, die digitalen Grundlagen zu schaffen, die es diesen Technologien ermöglichen, aussagekräftige Ergebnisse zu liefern. Von strukturierten Daten und gemeinsamen Standards bis hin zu interoperablen Systemen – die Zukunft der intelligenten Stromnetze hängt ebenso sehr vom Informationsmanagement ab wie von künstlicher Intelligenz.
Digitale Zwillinge entwickeln sich zu operativen Werkzeugen
Digitale Zwillinge sind längst mehr als nur einfache visuelle Modelle. Sie entwickeln sich zunehmend zu dynamischen digitalen Darstellungen, die den gesamten Lebenszyklus von Netzanlagen unterstützen – von der Planung und Projektierung bis hin zum Betrieb und zur Instandhaltung.
In Kombination mit Technologien wie Building Information Modelling (BIM), Geografischen Informationssystemen (GIS) und strukturierten technischen Standards ermöglichen digitale Zwillinge den Betreibern, die Netzleistung zu simulieren, die Transparenz der Anlagen zu verbessern und fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Künstliche Intelligenz eröffnet zusätzliche Möglichkeiten. Durch die Analyse von Betriebsdaten aus digitalen Zwillingen kann KI aufkommende Störungen erkennen, Wartungspläne optimieren und die Leistung von Umspannwerken, Übertragungsleitungen und Anlagen für erneuerbare Energien verbessern. In einigen Anwendungsfällen konnten durch vorausschauende Wartung erhebliche Reduzierungen bei ungeplanten Ausfällen nachgewiesen werden.
Bessere Daten führen zu besseren Entscheidungen
Die Wirksamkeit von KI hängt vollständig von der Qualität der Informationen ab, die ihr zur Verfügung gestellt werden.
Viele Versorgungsunternehmen verwalten nach wie vor eine veraltete Infrastruktur, die lange vor dem Aufkommen der heutigen digitalen Technologien errichtet wurde. Ältere Anlagen weisen häufig unvollständige Aufzeichnungen, uneinheitliche Namenskonventionen oder fragmentierte Datensätze auf, was die Erstellung zuverlässiger digitaler Modelle erschwert.
Dies führt dazu, dass strukturierten Datenstandards und digitalen Produktinformationen über den gesamten Lebenszyklus von Anlagen hinweg zunehmend mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Einheitliche Datenmodelle verbessern nicht nur die Wartungsplanung, sondern erleichtern auch die Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Versorgungsunternehmen und Ingenieurteams, da alle auf denselben Informationen basieren.
Da immer mehr Unternehmen digitale Darstellungen ihrer Produkte und Vermögenswerte entwickeln, werden Daten mittlerweile genauso wertvoll wie die physischen Geräte selbst.
Die Interoperabilität ist nach wie vor das fehlende Puzzlestück
Moderne Stromnetze funktionieren nicht isoliert.
Übertragungsnetzbetreiber (TSOs), Verteilernetzbetreiber (DSOs), Hersteller und Technologieanbieter sind alle darauf angewiesen, Informationen schnell und präzise austauschen zu können. Uneinheitliche Kommunikationsprotokolle und unterschiedliche regionale Standards schränken jedoch nach wie vor die Interoperabilität zwischen vielen Stromnetzen ein.
Dies stellt eine besondere Herausforderung dar, da dezentrale Energiequellen, Batteriespeicher und Leistungselektronik neue Betriebsbedingungen mit sich bringen, die schnellere und besser abgestimmte Reaktionen erfordern.
Ohne gemeinsame Rahmenbedingungen für den Datenaustausch können selbst hochgradig digitalisierte Organisationen Schwierigkeiten haben, systemweite Transparenz zu erreichen oder sich bei Netzwerkereignissen effektiv zu koordinieren. Die Stärkung der Interoperabilität wird von entscheidender Bedeutung sein, wenn die Digitalisierung die Widerstandsfähigkeit in großem Maßstab verbessern soll.
Die Modernisierung des Stromnetzes erfordert Zusammenarbeit
Künstliche Intelligenz wird zweifellos zu einem immer wichtigeren Instrument für die Vermögensverwaltung werden, sollte jedoch als Teil eines weitaus umfassenderen Wandels betrachtet werden.
Investitionen in digitale Infrastruktur, gemeinsame Standards und das Lebenszyklus-Datenmanagement werden ebenso wichtig sein wie Fortschritte im Bereich des maschinellen Lernens. Ebenso müssen Energieversorger, Hersteller und Technologieanbieter zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass digitale Systeme über Organisations- und Landesgrenzen hinweg funktionieren können.
Angesichts der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Stromnetze sind Unternehmen, die fundiertes technisches Know-how mit einer soliden digitalen Basis verbinden, am besten aufgestellt, um die Versorgungssicherheit zu verbessern, Investitionen zu optimieren und auf den künftigen Bedarf zu reagieren.
Dies sind die Diskussionen, die die Zukunft der Stromübertragung und -verteilung prägen. Auf der CWIEME Berlin kommen Netzbetreiber, Hersteller und Spezialisten für digitale Technologien zusammen, um zu erörtern, wie Daten, Automatisierung und intelligentes Anlagenmanagement die Stromnetze stärken. Da Smart-Grid-Technologien immer ausgereifter werden, wird die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette entscheidend sein, um das digitale Potenzial in operative Leistung umzusetzen.



















