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Die industrielle Zukunft Europas sichern: Warum Stromnetze von strategischer Bedeutung sind

13. Mai 2026 | Artikel | Matt Ersin, Vorsitzender der Green Industrial Grids Association (GIGA) und Senior Director bei Fastned

Die europäischen Stromnetze entwickeln sich zum entscheidenden Bindeglied zwischen sauberer Energie und industriellem Wachstum und bringen damit sowohl dringende Herausforderungen als auch große Chancen für die Wertschöpfungskette der Elektroindustrie mit sich.

Europas Stromnetze stehen an vorderster Front bei der Suche nach industrieller Wettbewerbsfähigkeit, Dekarbonisierung und Energiesicherheit. Die geopolitischen Umwälzungen der letzten Jahre haben die strategische Notwendigkeit der Elektrifizierung immer wieder unterstrichen. Europas Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und deren inhärente Volatilität schränken weiterhin seine Souveränität ein und verschärfen die wirtschaftliche Belastung.

Doch das Blatt wendet sich. Seit 2025 sind erneuerbare Energien Europas vorherrschende Stromquelle. Traditionelle Industrien elektrifizieren sich zügig, während neue Sektoren auf elektrischer Energie aufbauen. Diese große Welle des energetischen Wandels lässt sich nicht über unsere bestehenden Netze kanalisieren. Die Herausforderung, vor der Europa nun steht, lautet: Können seine Netze den sauberen, zuverlässigen Strom liefern, der für die Dekarbonisierung erforderlich ist, und dies schnell genug? 

Mit dem Aufkommen neuer Industrien und dem wachsenden Strombedarf der Industrie hat sich das Netz zu einem entscheidenden Engpass in unserer Energieversorgung entwickelt: der Verbindung zwischen sauberer Stromerzeugung und dem Werkszaun. Netzengpässe zwingen Projekte zu jahrelangen Wartezeiten und unterbinden den Zugang zu günstigem, erneuerbarem Strom, noch bevor er den Verbraucher erreicht. Deshalb sind Europas industrielle Stromverbraucher nicht mehr nur passive Kunden; sie sind zu aktiven Akteuren bei der Netzplanung, Finanzierung und Innovation geworden.

Die Europäische Kommission hat diesen Wandel erkannt und mit dem „European Grids Package“ reagiert – einem Maßnahmenpaket, das den Netzausbau beschleunigen, die grenzüberschreitende Koordination stärken und die Finanzierung von Netzprojekten erleichtern soll. Im Kern zielt das Paket darauf ab, den Binnenmarkt für Strom zu vollenden, indem der Bau und der Anschluss an das Netz schneller, kostengünstiger und berechenbarer werden. Neue Vorschriften sollen Genehmigungsverfahren beschleunigen, Mechanismen zur Kostenverteilung straffen und die Netzplanung auf EU-Ebene zentralisieren. Zum ersten Mal wird die europäische Netzpolitik ausdrücklich als Motor der industriellen Wettbewerbsfähigkeit und nicht nur als technische Randnotiz positioniert.

Für die Green Industrial Grids Association (GIGA), die mittelständische und große stromintensive Industriebetriebe sowie Netztechnologieanbieter vertritt, die sich für die Dekarbonisierung Europas einsetzen, ist das Europäische Netzpaket ein positiver und notwendiger Schritt nach vorne. Insbesondere begrüßt die GIGA die Förderung von drahtlosen Lösungen und netzstärkenden Technologien (Grid Enhancing Technologies, GETs) zur besseren Nutzung des bestehenden Netzes, schnellere Genehmigungsverfahren sowie die Empfehlung, von Anschlussmodellen nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ zu einem bereitschaftsbasierten Ansatz überzugehen. Zusätzlich zu den bereits im Paket vorgeschlagenen Maßnahmen empfiehlt die GIGA eine bessere Einbindung industrieller Stromverbraucher in Lastprognosen durch sichere und anonymisierte Daten, konkrete EU-Vorschläge zur Überbrückung von Finanzierungslücken im Netzbereich sowie die Schaffung eines klaren Rahmens für flexible Anschlussvereinbarungen.

Das Paket ist jedoch kein Allheilmittel. Selbst mit strengeren Vorschriften für Genehmigungen, Governance und Koordination steht die EU weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Unterschiedliche nationale Prioritäten, Probleme bei der lokalen Akzeptanz und die Komplexität grenzüberschreitender Infrastruktur können grenzüberschreitende Projekte weiterhin verlangsamen. Die Genehmigungsfristen sind nach wie vor lang, und es mangelt an Arbeitskräften, die für die Planung, den Bau und den Betrieb moderner Netze benötigt werden.

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Aus Sicht der Stromversorgungskette bieten diese Herausforderungen auch Chancen. Das Stromnetz ist nicht mehr nur eine Infrastruktur, die man einmal einrichtet und dann vergisst; es entwickelt sich zu einem dynamischen, datenreichen Ökosystem. Hersteller von Kabeln, Transformatoren, Schaltanlagen und Leistungselektronik werden eine wachsende Nachfrage nach widerstandsfähigeren, flexibleren und digital vernetzten Geräten verzeichnen. Digital-Twin-Plattformen, Echtzeit-Überwachungssysteme und fortschrittliche Regelalgorithmen gehören zunehmend zum alltäglichen Netzbetrieb und sind nicht mehr nur Nischen-Pilotprojekte. Unternehmen der Netz-Lieferkette entwickeln sich von traditionellen Ausrüstungsanbietern zu Technologie- und Servicepartnern für ein intelligenteres, stärker integriertes Netz.

Das Netzpaket sollte daher als Wachstumsmandat für die Lieferkette verstanden werden. Da Europa seine Netzinvestitionen beschleunigt, werden die Akteure der Lieferkette aufgefordert sein, nicht nur Hardware, sondern auch integrierte Lösungen zu liefern, die Digitalisierung, Cybersicherheit und Interoperabilität unterstützen. Für Unternehmen, die technische Exzellenz mit datenzentrierter Innovation verbinden können, bedeutet das Bestreben der Kommission, die europäischen Netze zu modernisieren, eine langfristige geschäftliche Transformation und nicht nur einen vorübergehenden Auftragsanstieg.

Das Europäische Netzpaket markiert einen Wendepunkt. Europa betrachtet sein Stromnetz endlich als Rückgrat der Energiewende und der industriellen Wettbewerbsfähigkeit. Für Großstromverbraucher ist dies ein Signal, dass das Stromnetz nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden kann, sondern aktiv mitgestaltet werden muss. Für die Lieferkette im Netzbereich ist es eine klare Aufforderung, zu expandieren, innovativ zu sein und das Stromnetz von morgen mitzugestalten, in dem Daten, Digitalisierung und grenzüberschreitende Koordination ebenso wichtig sind wie Kabel und Transformatoren.

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Matt Ersin
Vorsitzender der Green Industrial Grids Association (GIGA) und Senior Director bei Fastned

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