Die Aufträge für Transformatoren nehmen zu. Nun muss die Branche diese beispiellose Nachfrage in Produktionskapazitäten umsetzen.
Die Elektrifizierung treibt Investitionen in Stromnetze in einem Ausmaß voran, auf das sich die Elektroindustrie bereits vorbereitet hat. Doch mit steigenden Auftragszahlen rückt eine schwierigere Frage in den Fokus: Kann die Produktionskapazität damit Schritt halten?
Jüngste Ergebnisse und Investitionsankündigungen deuten darauf hin, dass der Druck in der gesamten Branche zunimmt. Siemens Energy vermeldete im letzten Quartal Rekordwerte bei Auftragseingang, Umsatz und Rentabilität, wobei die Stromnachfrage weiterhin die Nachfrage nach seinen Produkten ankurbelte. Auch GE Vernova hat weitere Investitionen in seine Produktionskapazitäten für Netzausrüstung in den USA angekündigt, während Tempel in die Produktion neuer Transformatorenkern investiert.
Es handelt sich zwar um einzelne Meldungen, doch zusammen spiegeln sie einen weitaus größeren Wandel wider. Der Ausbau des Stromnetzes führt zu einer Nachfrage nach technischer Ausrüstung, und diese Nachfrage zieht sich durch die gesamte Lieferkette der Elektroindustrie.
Die Transformatorfertigung beginnt schon lange vor der Endmontage
Für Transformatorenhersteller ist die Steigerung der Produktionsleistung nicht einfach nur eine Frage der Einrichtung einer weiteren Produktionslinie.
Die Produktionskapazität hängt von der Verfügbarkeit von Elektrostahl, Kupfer, Leitern, Isoliermaterial, Kernen und anderen Komponenten ab. Sie ist auf Wickelmaschinen, Automatisierung und qualifizierte Ingenieure angewiesen. Hinzu kommen die Prüfverfahren.
Hochspannungs- und Impulsprüfungen können zu Warteschlangen in Fabriken führen, selbst wenn in anderen Produktionsstufen Kapazitäten frei sind. Eine Steigerung der Montageleistung ohne gleichzeitige Erhöhung der Prüfkapazität kann den Engpass lediglich weiter die Produktionslinie hin verlagern.
Die Branchenstudie der CWIEME Berlin macht diese miteinander verknüpften Herausforderungen deutlich. Transformatorenhersteller müssen sich mit langen und anfälligen Lieferketten für kritische Materialien, Fachkräftemangel, Einschränkungen bei der Prüfung und Qualitätsrisiken auseinandersetzen – und das zusätzlich zu der Herausforderung, in Kapazitäten zu investieren, obwohl die zukünftige Nachfrage schwer vorhersehbar ist.
Das Ergebnis ist eine Kapazitätsfrage, die weit über die Transformatorenhersteller selbst hinausgeht.
Mehr Fabriken benötigen mehr Materialien, Maschinen und Arbeitskräfte
Da die Hersteller investieren, um der Nachfrage gerecht zu werden, müssen ihre Zulieferer mitwachsen.
Mehr Transformatoren erfordern mehr Elektrostahl und Kupfer. Ein höherer Produktionsdurchsatz kann neue Wicklungssysteme, Automatisierungs- und Prüfgeräte erforderlich machen. Mit steigenden Produktionsmengen gewinnen auch reproduzierbare Prozesse und die Qualitätskontrolle an Bedeutung.
Damit wird der Kapazitätsausbau zu einem Thema für die gesamte Wertschöpfungskette.
Die CWIEME Berlin bringt Rohstoffe, verarbeitete Materialien, Komponenten und Maschinen mit Transformatorenherstellern sowie der gesamten Übertragungs- und Verteilungsbranche zusammen. Jedes einzelne Teil spielt eine Rolle dabei, wie schnell zusätzliche Netzausrüstung für Projekte bereitgestellt werden kann.
Und Geschwindigkeit darf nicht auf Kosten der Zuverlässigkeit gehen. Transformatoren sind langlebige Infrastruktureinrichtungen, daher ist es nach wie vor von entscheidender Bedeutung, den Durchsatz zu steigern und gleichzeitig die Fertigungsqualität aufrechtzuerhalten.
Die Zusammenarbeit muss früher beginnen
Es gibt noch einen weiteren Hebel zur Steigerung der Kapazität, für den keine neue Fabrik gebaut werden muss: eine bessere Abstimmung zwischen Netzbetreibern, Erstausrüstern und Zulieferern.
Die Anforderungen der Betreiber können zu erheblichen Anpassungen führen, selbst bei Geräten, die für ähnliche Anwendungen vorgesehen sind. Für die Hersteller bedeutet dies einen höheren Entwicklungsaufwand und erschwert eine wiederholbare Produktion.
Eine stärkere Standardisierung könnte dazu beitragen, diesen Druck zu verringern. Eine frühzeitigere Übersicht über den künftigen Netzbedarf könnte zudem den Herstellern und ihren Zulieferern mehr Sicherheit geben, in Kapazitäten, Ausrüstung und Personal zu investieren.
Unsere Zielgruppenforschung zeigt, dass eine frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und OEMs, standardisierte Plattformen, flexible Produktionssysteme und eine fertigungsgerechte Konstruktion praktische Möglichkeiten zur Verringerung des Lieferrisikos darstellen.
Vom Netzziel zur Produktionsleistung
Der Ausbau des europäischen Stromnetzes wird letztlich von mehr als nur Investitionszusagen und der Projektpipeline abhängen.
Das hängt von den Fabriken ab.
Es hängt davon ab, ob die Materialien zum richtigen Zeitpunkt eintreffen, ob die Maschinen den Durchsatz steigern können, ob die Prüfkapazitäten parallel zur Produktion wachsen und ob die Hersteller die erforderlichen Fachkräfte finden, um in großem Maßstab zu liefern.
Auf dem Markt für Netzausrüstung besteht Nachfrage. Die nächste Herausforderung besteht darin, diese Nachfrage in zuverlässige Produktionskapazitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette umzusetzen.
Gerade hier wird eine engere Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern, Erstausrüstern, Materiallieferanten, Komponentenherstellern und Technologieanbietern von entscheidender Bedeutung sein.



















