Wie Deutschlands Großkonzerne und der Mittelstand das Stromnetz modernisieren
Seit Jahrzehnten wird der Sektorder Stromübertragung und -verteilung (T&D) von großen Energieversorgern, Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) und Originalausrüstungsherstellern (OEM) geprägt, die Strominfrastruktur in großem Maßstab bereitstellen. Als Herzstück der europäischen Energiewende treibt Deutschland beispiellose Anstrengungen zur Elektrifizierung der Industrie voran und gewährleistet dabei gleichzeitig die Stabilität und Sicherheit des Stromnetzes. Alex Koidis, Leiter der Community bei CWIEME, untersucht hier, wie deutsche Unternehmen in jeder Phase der Lieferkette zur Modernisierung des Stromnetzes beitragen.
Angesichts eines steigenden Anteils erneuerbarer Energien stehen die europäischen Stromnetze vor einer beispiellosen Herausforderung. Im Jahr 2023 berichtete die Gemeinsame Forschungsstelle der EU, dass höhere Anteile an Wind- und Solarstrom die Volatilität erhöhen würden und dass das europäische Stromnetz bis zu siebenmal mehr Flexibilität benötigen würde, um einen reibungslosen Netzbetrieb zu gewährleisten. Eine solche Volatilität erhöht den Bedarf an sicherer und zuverlässiger Infrastruktur im gesamten Übertragungs- und Verteilungssektor sowie an Innovationen entlang der gesamten Lieferkette.
Der Stromtransport quer durch Europa erfordert unterdessen eine Vielzahl von Spezialisten, von denen jeder eine festgelegte Rolle dabei spielt, den Stromfluss sicher und zuverlässig aufrechtzuerhalten. Auf Systemebene sind die Übertragungsnetzbetreiber (TSOs) für die Planung, den Bau und den Betrieb der Hochspannungsinfrastruktur verantwortlich, die die Energieerzeugungsanlagen mit den großen Verbrauchszentren verbindet.
Der nächste Schritt in der Lieferkette sind große Erstausrüster (OEMs), die wichtige Anlagen wie Transformatoren und Umspannwerke entwerfen und produzieren, die von den Übertragungsnetzbetreibern integriert werden. Auf dieser Ebene wenden die Unternehmen viel Zeit darauf auf, sicherzustellen, dass komplexe Baugruppen aus Komponenten, Software und Steuerungssystemen gemäß den europaweiten Netzstandards zertifiziert sind.
Schließlich sorgen Anlagenhersteller und spezialisierte Technologieanbieter dafür, dass Netzausrüstung jederzeit verfügbar ist und gemäß strenger Anforderungen an Effizienz und Lebensdauer produziert wird. Dabei kann es sich um Großfabriken handeln, die die schweren elektrischen Anlagen zur Spannungserhöhung und -senkung herstellen, oder um eine Gruppe kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), die innovative Lösungen für spezielle Anforderungen entwickeln.
Deutschlands Hauptakteure
Netzbetreiber legen die langfristigen Strategien fest, die die nachgelagerte Lieferkette prägen. Investitionen wie der von TenneT im Jahr 2023 abgeschlossene Vertrag über 1,9 Milliarden Euro sind Ausdruck des Engagements für die Energiewende, das von den Betreibern erwartet wird, um die Entwicklung im Bereich der Stromübertragung und -verteilung voranzutreiben. Deutschlands größter Hochspannungsnetzbetreiber strebt im Rahmen einer Systemüberholung die Bereitstellung modernster Umspannwerke an, um ein zuverlässiges und widerstandsfähiges Stromnetz zu gewährleisten.
Im Rahmen dieser Rahmenvereinbarung arbeitet TenneT mit einem der größten Anbieter von Netztechnologien zusammen: Siemens Energy. Der in Deutschland ansässige Erstausrüster liefert Hochspannungsanlagen, Transformatoren und digitale Lösungen, die die Fernstromübertragung und die Integration erneuerbarer Energien in großem Maßstab unterstützen. Dank seiner weltweiten Erfahrung ist das Unternehmen in der Lage, bestehende Netze und grenzüberschreitende Verbindungsleitungen zu stärken, da der Stromfluss zunehmend dezentraler und bidirektionaler wird.
Ebenfalls in Deutschland ansässig und Teil derselben Investition ist der Hersteller SGB-SMIT, dessen Transformatorentechnologien für die Hoch- und Niederspannungsumwandlung in den Netzen unverzichtbar sind. Angesichts steigender Netzlasten und sich wandelnder Betriebsbedingungen wächst die Nachfrage nach Transformatoren, die sich durch höheren Wirkungsgrad, geringere Verluste und verbesserte Ausfallsicherheit auszeichnen.
Die Rolle des Mittelstands
Unternehmen, die flexibel bleiben und ein offenes Ohr für die Entwicklungen vor Ort haben, können sich besser an die mit dezentralen Energiequellen (DERs) verbundene Volatilität anpassen. Diese Gruppe von KMU, die gemeinsam als deutscher Mittelstand bezeichnet wird, bildet das technologische Rückgrat des europäischen Stromnetzes.
Nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM Bonn) beschäftigen deutsche KMU insgesamt rund 19 Millionen Menschen, was mehr als der Hälfte der Gesamtbeschäftigung im Land entspricht. Sie tragen zudem über 55 Prozent zur gesamten Nettowertschöpfung der deutschen Wirtschaft bei, was ihre Rolle sowohl als Arbeitsplatzschaffer als auch als Wertschöpfer unterstreicht.
Flexibilität und Zusammenarbeit in einem sich wandelnden Stromnetz
KMU zeichnen sich durch eine Flexibilität aus, mit der größere Unternehmen oft nur schwer mithalten können. Angesichts neuer Technologien im Bereich der erneuerbaren Energien sind kleinere Ingenieurteams besser in der Lage, Konstruktionen, Materialien oder Produktionsmethoden schnell anzupassen. Diese Anpassungsfähigkeit ergänzt die Größenvorteile und die Fähigkeiten auf Systemebene großer OEMs und Netzbetreiber.
Bei Netzprojekten stehen Lieferketten zunehmend unter dem Druck, die Produktion zu lokalisieren, Emissionen zu reduzieren und die Widerstandsfähigkeit zu verbessern. Dies eröffnet zwar Chancen für europäische Hersteller, weckt aber auch Erwartungen hinsichtlich Transparenz, Lebenszyklusdaten und Umweltleistung – Bereiche, in denen Unterstützung und Zusammenarbeit entscheidend sind.
Ein bewährter Weg zur Überwindung dieser Hindernisse liegt in der Zusammenarbeit nicht nur zwischen KMU, OEMs und Netzbetreibern, sondern im gesamten Ökosystem der Elektrotechnik. Partnerschaften ermöglichen es kleineren Unternehmen, Fachwissen zu bündeln, Risiken zu teilen und gemeinsam die Anforderungen groß angelegter Netzprojekte zu erfüllen.
Branchenplattformen und Fachveranstaltungen wie die CWIEME Berlin spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Als globaler Treffpunkt für Innovatoren aus den Bereichen Transformatoren, Motoren und E-Mobilität bringt die Messe Materialzulieferer, Komponentenhersteller, Maschinenbauer und Systemintegratoren zusammen, um die Distanz zwischen Innovation und Anwendung zu verkürzen.
Eine erhöhte Sichtbarkeit kleinerer Unternehmen kommt allen Beteiligten zugute, da sie so ihr Nischen-Know-how unter Beweis stellen, ihre Entwicklungen an die Anforderungen der Praxis anpassen und die für eine effektive Skalierung notwendigen Beziehungen aufbauen können. Mit einem eigenen „Transmission & Distribution Club“ bietet die CWIEME Berlin einen erstklassigen Rahmen für den branchenübergreifenden Austausch zwischen KMU und anerkannten Branchenführern.
Die Zukunft der europäischen Stromnetze gestalten
Der Mittelstand hat sich bereits als wichtiger Bestandteil der deutschen Wirtschaft erwiesen. Während Europa auf Klimaneutralität und Netto-Null hinarbeitet, ist der Übertragungs- und Verteilungssektor auf Tausende spezialisierter Unternehmen angewiesen, die ihre Komponenten, Materialien und ihr Fertigungs-Know-how bereitstellen, um die steigende Nachfrage zu decken.
Der Erfolg der Energiewende erfordert eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Lieferkette. Gemeinsam gestalten diese Unternehmen die europäischen Stromnetze neu und legen den Grundstein für die Umsetzung industrieller und klimatischer Ziele.
Besucher können vom 19. bis 21. Mai auf der CWIEME Berlin 2026 Kontakte zum T&D-Ökosystem knüpfen, darunter Unternehmen wie TenneT, Siemens Energy, SGB-SMIT, SEW-EURODRIVE und die VEM Group GmbH. Entdecken Sie die Gründe für einen Besuch.



















