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Was die GOES-Schutzmaßnahmenuntersuchung der EU für die europäische Transformatorenindustrie bedeutet

11. Juni 2026 | Artikel | Nico Acampora, Leiter der Wachstumsabteilung bei CWIEME Berlin

Die Energiewende in Europa hängt nicht nur von der Erzeugung erneuerbarer Energien und Investitionen in das Stromnetz ab. Sie hängt auch von den Materialien ab, die die Elektrifizierung erst möglich machen.

Die Energiewende in Europa hängt nicht nur von der Erzeugung erneuerbarer Energien und Investitionen in das Stromnetz ab. Sie hängt auch von den Materialien ab, die die Elektrifizierung erst möglich machen. 

Eines dieser Materialien ist kornorientierter Elektrostahl (GOES), ein wichtiger Bestandteil von Leistungstransformatoren, der einen effizienten Stromtransport über Übertragungs- und Verteilungsnetze ermöglicht. 

Im März 2026 leitete die Europäische Kommission eine Schutzmaßnahmenuntersuchung bezüglich der Einfuhren von GOES ein und begründete dies mit Bedenken hinsichtlich steigender Einfuhrmengen und den Auswirkungen auf europäische Hersteller. Die Untersuchung ist zwar noch im Gange, hat jedoch bereits Diskussionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Transformatorenbranche ausgelöst. 

Für Hersteller, Zulieferer, Energieversorger und Netzbetreiber wirft diese Ankündigung wichtige Fragen hinsichtlich der Versorgungssicherheit, der Produktionskapazitäten und der künftigen Widerstandsfähigkeit der europäischen Elektroindustrie auf. 

Warum GOES wichtig ist 

GOES ist ein spezieller Elektrostahl, der entwickelt wurde, um Energieverluste in Transformatorenkernen zu minimieren. Aufgrund seiner magnetischen Eigenschaften ist er für die Herstellung von Leistungs- und Verteiltransformatoren, die in gesamten Energienetzen zum Einsatz kommen, unverzichtbar. 

Da Europa seine Investitionen in die Netzinfrastruktur, die Einbindung erneuerbarer Energien, Rechenzentren und Ladenetze für Elektrofahrzeuge verstärkt, steigt die Nachfrage nach Transformatoren weiter an. 

Diese Anforderung beginnt bereits bei den Materialien. 

Ohne zuverlässigen Zugang zu Elektrostahl stehen Transformatorenhersteller vor zunehmenden Herausforderungen bei der Einhaltung von Produktionsplänen, der Kostenkontrolle und der Erfüllung von Lieferverpflichtungen. 

Ein Markt, der bereits unter Druck steht 

Die Untersuchung findet zu einem Zeitpunkt statt, zu dem die Transformatorenbranche eine beispiellose Nachfrage verzeichnet. 

Versorgungsunternehmen in ganz Europa investieren massiv in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Netze. Die Netzbetreiber arbeiten daran, immer größere Mengen an Strom aus erneuerbaren Energien einzuspeisen und gleichzeitig den steigenden Strombedarf aus Industrie, Verkehr und digitaler Infrastruktur zu decken. 

Gleichzeitig sehen sich die Hersteller weiterhin mit einer Reihe hartnäckiger Herausforderungen konfrontiert: 

  • Lange Lieferzeiten für kritische Materialien 

  • Volatilität in der Lieferkette 

  • Kapazitätsengpässe in der Fertigung 

  • Fachkräftemangel 

  • Steigende Kundenerwartungen hinsichtlich Leistung und Nachhaltigkeit 

Für viele Transformatorenhersteller ist die Beschaffung von Elektroblech nach wie vor eine strategische Priorität und keine reine Routineaufgabe. 

Was untersucht die Kommission? 

Im Rahmen der Untersuchung der Europäischen Kommission soll geprüft werden, ob die gestiegenen Einfuhren von GOES den EU-Herstellern einen erheblichen Schaden zufügen. 

Schutzmaßnahmenuntersuchungen unterscheiden sich von Antidumpingverfahren dadurch, dass sie sich auf die Auswirkungen des Einfuhrvolumens konzentrieren und nicht auf Vorwürfe unlauterer Preisgestaltung. 

Sollte die Kommission zu dem Schluss kommen, dass Schutzmaßnahmen erforderlich sind, könnten mögliche Ergebnisse Einfuhrbeschränkungen oder andere befristete Maßnahmen zur Unterstützung der inländischen Produktion sein. 

Im Rahmen der Untersuchung werden auch die Interessen der nachgelagerten Branchen berücksichtigt, darunter Transformatorenhersteller, die auf den Zugang zu Elektroblech angewiesen sind. 

Was könnte das für die Transformatorenhersteller bedeuten? 

Zum jetzigen Zeitpunkt wurden noch keine Maßnahmen ergriffen, und der Ausgang bleibt ungewiss. 

Die Untersuchung verdeutlicht jedoch eine umfassendere Herausforderung, vor der die Branche steht: die Vereinbarkeit von Versorgungssicherheit und Versorgungsverfügbarkeit. 

Europäische Transformatorenhersteller bewältigen bereits wachsende Auftragsbestände und arbeiten gleichzeitig daran, das Lieferrisiko zu verringern. Jegliche Veränderungen, die sich auf die Materialflüsse auswirken, könnten folgende Bereiche beeinflussen: 

Beschaffungsstrategien 

Die Hersteller könnten verstärkt Wert auf die Diversifizierung ihrer Lieferanten, langfristige Beschaffungsvereinbarungen und eine strategische Bestandsplanung legen. 

Kapazitätsplanung 

Da die Nachfrage weiter steigt, hängt die Produktionsplanung zunehmend vom Vertrauen in die Materialverfügbarkeit ab. 

Kostenmanagement 

Elektrostahl stellt einen erheblichen Kostenfaktor bei der Transformatorenherstellung dar. Alle Marktveränderungen, die sich auf die Verfügbarkeit oder die Preisgestaltung auswirken, werden branchenweit genau beobachtet. 

Resilienz der Lieferkette 

Viele Unternehmen überdenken derzeit, wie sie ihre Betriebsabläufe widerstandsfähiger gestalten können, und gehen dabei über reine Kostenaspekte hinaus, um den Fokus auf Versorgungssicherheit und langfristige Zuverlässigkeit zu legen. 

Warum Netzbetreiber aufmerksam sein sollten 

Die Auswirkungen gehen über den Fertigungsbereich hinaus. 

Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) und Verteilernetzbetreiber (VNB) investieren Milliarden in die Infrastruktur, um die Elektrifizierung, die Einbindung erneuerbarer Energien und die Energiesicherheit voranzutreiben. 

Viele der Herausforderungen, mit denen Netzprojekte konfrontiert sind, haben ihren Ursprung jedoch bereits viel früher in der Wertschöpfungskette. 

Die Verfügbarkeit von Transformatoren gibt europaweit zunehmend Anlass zur Sorge. Lange Lieferzeiten können Netzausbauten, den Anschluss erneuerbarer Energien und große Infrastrukturprojekte verzögern. 

Die GOES-Untersuchung macht deutlich, dass die Stromversorgung nicht nur von technischem Fachwissen und Investitionen abhängt, sondern auch von der Verfügbarkeit kritischer Materialien und Produktionskapazitäten. 

Für Netzbetreiber wird es bei der Planung künftiger Projekte immer wichtiger, die tatsächlichen Gegebenheiten der Versorger zu verstehen. 

Eine umfassendere Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit Europas 

Die Untersuchung wirft zudem weiterreichende Fragen zur Zukunft der industriellen Wettbewerbsfähigkeit in Europa auf. 

Da die weltweite Nachfrage nach elektrischer Infrastruktur weiter steigt, suchen Hersteller entlang der gesamten Wertschöpfungskette nach Wegen, ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig international wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Für die Transformationsbranche wird der Erfolg von der Zusammenarbeit innerhalb des gesamten Ökosystems abhängen: 

  • Materiallieferanten 

  • Komponentenhersteller 

  • Transformator-Erstausrüster 

  • Versorgungsunternehmen und Netzbetreiber 

  • Politische Entscheidungsträger und Regulierungsbehörden 

Jeder Einzelne trägt dazu bei, dass Europa den wachsenden Bedarf an elektrischer Infrastruktur decken kann. 

Ein Blick in die Zukunft 

Das Ergebnis der Untersuchung der Kommission bleibt abzuwarten. 

Klar ist jedoch bereits, dass Elektrostahl im Zuge des Übergangs zu einer stärker elektrifizierten Wirtschaft zu einem strategischen Werkstoff geworden ist. 

Da die Nachfrage nach Transformatoren weiter steigt, werden Diskussionen über Versorgungssicherheit, Produktionskapazitäten und die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette nur noch an Bedeutung gewinnen. 

Für die Branche geht es dabei um mehr als nur Handelspolitik. 

Es geht darum, sicherzustellen, dass die Materialien, Technologien und Partnerschaften vorhanden sind, um die nächste Generation der Netzinfrastruktur zu unterstützen und Europas Elektrifizierungsziele weiter voranzutreiben.

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Veranstaltungsort

Messe Berlin, Südeingang, Messedamm 22, D-14055 Berlin, Deutschland

Öffnungszeiten

Dienstag, 11. Mai| 09:30 – 17:30 Uhr

Mittwoch, 12. Mai | 09:30 – 17:30 Uhr

Donnerstag, 13. Mai| 09:30 – 15:00 Uhr