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Warum Schaltanlagen zur nächsten Herausforderung in der Lieferkette werden

15. Juli 2026 | Artikel

Während der Mangel an Transformatoren die Schlagzeilen der Branche dominiert, zeichnen sich Schaltanlagen als weiterer entscheidender Engpass ab, der den Ausbau des Stromnetzes und Elektrifizierungsprojekte in ganz Europa verzögern könnte.

Die Lieferzeiten für Transformatoren sind zu Recht zu einem der wichtigsten Diskussionsthemen in der gesamten Energiewirtschaft geworden. Hersteller, Energieversorger und politische Entscheidungsträger sind sich einig, dass eine Ausweitung der Produktionskapazitäten unerlässlich ist, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. 

Eine weitere Herausforderung rückt jedoch zunehmend in den Fokus. 

Schaltanlagen gewinnen bei der Umsetzung von Übertragungs- und Verteilungsprojekten zunehmend an Bedeutung. Da Energieversorger ihre Netze ausbauen, erneuerbare Energien integrieren und Umspannwerke modernisieren, wird die Verfügbarkeit von Schaltanlagen mittlerweile genauso entscheidend wie die Verfügbarkeit der Transformatoren selbst. 

Bei vielen Projekten kann das eine ohne das andere nicht vorankommen. 

Die Nachfrage nimmt in allen Branchen zu 

Die Elektrifizierung führt zu einer steigenden Nachfrage in Branchen, die traditionell unabhängig voneinander agierten. 

Netzverstärkung, Offshore-Windenergie, Batteriespeicher, Dekarbonisierung der Industrie, Elektrifizierung des Schienenverkehrs, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und Rechenzentren erfordern allesamt zuverlässige Schalt- und Schutzgeräte. 

Die Folge ist ein anhaltender Druck auf die Hersteller in den Produktbereichen Mittel- und Hochspannung. 

Anstelle vereinzelter Beschaffungsvorhaben verwalten Versorgungsunternehmen mittlerweile Portfolios aus parallel laufenden Infrastrukturprojekten, die alle um ähnliche Produktionskapazitäten konkurrieren. 

Mehr als nur eine Herausforderung in der Fertigung 

Versorgungsengpässe sind nur ein Teil des Gesamtbildes. 

Moderne Schaltanlagen werden immer komplexer und vereinen Schutzsysteme, Kommunikationstechnik, Sensoren und digitale Überwachung zu integrierten Lösungen, die intelligentere Umspannwerke ermöglichen. 

Versorgungsunternehmen blicken über die traditionellen Gerätespezifikationen hinaus und suchen nach Lösungen, die die Transparenz im Betrieb verbessern, den Wartungsaufwand reduzieren und ein vorausschauendes Anlagenmanagement ermöglichen. 

Die Hersteller müssen daher höhere Produktionsmengen mit einer zunehmenden Produktkomplexität in Einklang bringen. 

Die Abkehr von SF₆ 

Eine der größten Veränderungen, die den Markt beeinflussen, ist die Abkehr der Branche von Schwefelhexafluorid (SF₆). 

Da sich die Vorschriften ständig weiterentwickeln, investieren die Hersteller in großem Umfang in alternative Technologien, darunter Vakuumunterbrechung und neue Isoliermedien. 

Für Versorgungsunternehmen geht die Herausforderung über die Auswahl konformer Geräte hinaus. 

Fragen zur Lebenszyklusleistung, zu Wartungsanforderungen, zu Installationsverfahren, zur Interoperabilität und zu den Gesamtbetriebskosten gewinnen bei Beschaffungsentscheidungen zunehmend an Bedeutung. 

Frühanwender tragen dazu bei, Vertrauen aufzubauen, doch viele Betreiber prüfen noch, welche Technologien am besten zu ihren langfristigen Anlagenstrategien passen. 

Eine Standardisierung könnte eine schnellere Lieferung ermöglichen 

Eine Erkenntnis, die sich sowohl in der Transformatoren- als auch in der Schaltanlagenfertigung abzeichnet, ist der Wert der Standardisierung. 

Hochgradig kundenspezifische Anlagen erhöhen den Entwicklungsaufwand, verlängern die Konstruktionszyklen und schränken die Fertigungseffizienz ein. 

Soweit dies praktikabel ist, können standardisierte Plattformen den Herstellern helfen, den Durchsatz zu steigern, und gleichzeitig den Versorgungsunternehmen mehr Sicherheit hinsichtlich der Liefertermine und der künftigen Wartung geben. 

Das bedeutet jedoch nicht, dass Abstriche bei der technischen Leistung gemacht werden müssen. 

Vielmehr geht es darum, herauszufinden, wo Standardisierung für Wiederholbarkeit sorgt und gleichzeitig Flexibilität für projektspezifische Anforderungen ermöglicht. 

Die Digitalisierung beginnt in der Fabrik 

Intelligente Stromnetze beginnen schon lange bevor die Anlagen eine Umspannstation erreichen. 

Hersteller integrieren zunehmend digitale Funktionen in den Produktionsprozess – durch eingebaute Sensoren, Zustandsüberwachung und Betriebsdaten, die das zukünftige Anlagenmanagement unterstützen. 

Dies eröffnet Versorgungsunternehmen die Möglichkeit, während der gesamten Lebensdauer einer Anlage umfassendere Betriebsdaten zu erfassen, wodurch sich die Wartungsplanung verbessern lässt und unerwartete Ausfälle reduziert werden. 

Der Fokus verlagert sich daher vom reinen Kauf von Ausrüstung hin zum Aufbau einer langfristigen digitalen Infrastruktur. 

Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette 

Keine einzelne Organisation kann die heutigen Herausforderungen bei der Lieferung allein bewältigen. Versorgungsunternehmen benötigen einen besseren Überblick über die Produktionskapazitäten. Hersteller benötigen eine frühzeitigere Projektplanung. Zulieferer benötigen genauere Nachfrageprognosen. 

Technologieanbieter entwickeln weiterhin Lösungen, die die Produktionseffizienz, die Qualitätssicherung und die Prüfverfahren verbessern. 

Eine engere Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette trägt dazu bei, Unsicherheiten für alle Beteiligten zu verringern und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit bei künftigen Projekten zu stärken. 

Eine größere Chance für die Branche 

Schaltanlagen sind mehr als nur eine weitere Gerätekategorie. 

Zusammen mit Transformatoren, Schutzsystemen, Überwachungstechnologien und digitaler Infrastruktur steht es im Mittelpunkt der europäischen Energiewende. 

Da die Branche daran arbeitet, die Netzkapazität zu erweitern, die Ausfallsicherheit zu verbessern und immer mehr erneuerbare Energiequellen einzubinden, werden Diskussionen rund um Schaltanlagen zunehmend strategische Bedeutung erlangen. 

Dies bietet Herstellern, Energieversorgern, EPC-Unternehmen und Technologieanbietern die Gelegenheit, Wissen auszutauschen, Ansätze zu vergleichen und gemeinsam praktische Lösungen zu erarbeiten. 

Genau hier kann die CWIEME Berlin einen Mehrwert bieten. 

Durch die Zusammenführung der Unternehmen, die die Technologien entwickeln, herstellen und einsetzen, auf denen moderne Stromversorgungssysteme basieren, schafft die Veranstaltung eine Plattform, auf der technische Herausforderungen zu gemeinsamen Lösungen werden. 

Die Verfügbarkeit von Transformatoren wird weiterhin eine hohe Priorität haben, sollte aber nicht mehr das einzige Thema in der Lieferkette sein. 

Die Projekte, die das nächste Jahrzehnt der Elektrifizierung prägen werden, hängen von kompletten Systemen ab, nicht von einzelnen Komponenten. Angesichts der weiter steigenden Nachfrage werden Schaltanlagen zu einem der wichtigsten Diskussionsthemen der Branche werden.

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