Wir unterhalten uns fünf Minuten lang mit dem Chefredakteur des „Switchgear Magazine“, Douglas Maly
Douglas Maly, Chefredakteur des „Switchgear Magazine“, erzählt von seinem bisherigen beruflichen Werdegang, erläutert, warum Messen wie die CWIEME Berlin für die Branche von entscheidender Bedeutung sind, und teilt seine Gedanken zu den Technologien, die im kommenden Jahrzehnt den größten Einfluss haben werden.
Was hat Ihr Interesse an Energiesystemen und elektrischen Maschinen ursprünglich geweckt?
Etwa in der Mitte meines Studiums kam ich an einen Punkt, an dem ich mich für ein Fachgebiet entscheiden musste. Damals waren Halbleiter der letzte Schrei, aber ich schloss dieses Gebiet aus, weil ich nicht sehen konnte, was im Inneren eines Chips vor sich ging. Zunächst entschied ich mich für Energiesysteme. Doch als ich an einer IEEE-Exkursion zu einem Kraftwerk teilnahm, drehten sich alle Generatoren mit konstanter Drehzahl. Es war nur eine einzige Person zu sehen, die einen Besen schob. Ich konnte immer noch nicht erkennen, was dort vor sich ging. Schließlich entschied ich mich für elektrische Maschinen, weil ich alle Teile anfassen und verstehen konnte, was dort vor sich ging.
Könnten Sie mir einen kurzen Überblick über Ihren beruflichen Werdegang in dieser Branche geben?
Meine erste Anstellung nach dem Studium war in einer Motorenwerkstatt. Damals wusste ich diese Erfahrung noch nicht voll und ganz zu schätzen, aber rückblickend war es eine der besten Lernmöglichkeiten meiner beruflichen Laufbahn. Durch die Fehlerdiagnose an den unterschiedlichsten Motoren sowie das manuelle Wickeln von Motorspulen und deren Einbau in die Statorschlitze entwickelte ich ein Gespür für Elektromagnetik.
Später wechselte ich in die Leistungselektronik. In manchen Fällen zögerten andere Hardware-Ingenieure, ihre eigenen elektromagnetischen Komponenten zu entwerfen. Sie dachten, dafür seien spezialisierte Fachkräfte aus Designbüros mit teuren Werkzeugen erforderlich. Doch dank meines Hintergrunds war ich in der Lage, Schalttransformatoren und Industriemotoren mit Bleistift und Papier unter Anwendung der Grundprinzipien zu entwerfen und herzustellen. Schließlich gründete ich das „Switchgear Magazine“. Damit schloss sich für mich der Kreis zurück zu den Energiesystemen.
Inwiefern trägt die CWIEME Berlin dazu bei, Ihr Magazin mit Informationen zu versorgen und als Inspiration zu dienen?
Es ist ein großartiger Ort, um die Menschen persönlich kennenzulernen, die die größte jemals gebaute Maschine entwerfen und betreiben: das Stromnetz. Die Flaggschiff-Publikation von Merit Media, das „Transformer Magazine“, gedeiht in diesem Umfeld, weil es so reich an menschlichen Erfahrungen und Intelligenz ist.
Eine unserer obersten Prioritäten ist es, dieses Wissen zu bewahren und weiterzugeben. Derzeit rast die Branche mit voller Geschwindigkeit auf eine Art Zugunglück zu: Wir sehen uns mit einem enormen Verlust an erfahrenen Fachkräften in Verbindung mit geringen Einstellungszahlen konfrontiert, während wir gleichzeitig versuchen, eine Umstrukturierung im Informationszeitalter und eine Welle neuer Technologien zu bewältigen.
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach Veranstaltungen wie diese dabei, unseren Energiesektor voranzubringen?
Sie fungieren als unverzichtbare Brücke. In einer Branche, die sich so schnell entwickelt und in der so große Anlagen zum Einsatz kommen, braucht man einen Raum für den Ideenaustausch zwischen der alten Garde, die die physikalischen Zusammenhänge intuitiv versteht, und der neuen Generation, die digitale Werkzeuge einbringt. Ohne gezielte Bemühungen um Wissenstransfer laufen wir Gefahr, das Fachwissen zu verlieren, das die Stabilität des Stromnetzes gewährleistet, während wir auf neuere, komplexere Systeme umstellen.
Welche Technologien werden Ihrer Meinung nach in den nächsten zehn Jahren den größten Einfluss haben?
Am offensichtlichsten ist die künstliche Intelligenz, die derzeit in aller Munde ist. KI ist bereits in gewissem Umfang im Stromnetz implementiert. Sie steht jedoch kurz davor, die Energiewirtschaft auf allen Ebenen zu revolutionieren – vom Komponenten- und Materialdesign bis hin zu Schutz- und Steuerungssystemen.
Neben der KI verdienen zwei weitere Technologien Beachtung. Im Gegensatz zur KI sind beide technisch ausgereift, haben sich jedoch noch nicht flächendeckend im Stromnetz durchgesetzt. Da beide Technologien in anderen Branchen ausgereift sind und bereits teilweise in Stromversorgungssystemen eingesetzt werden, ist davon auszugehen, dass sie sich weiter verbreiten werden. Die erste ist die Leistungselektronik, insbesondere Halbleitertransformatoren (SST). Die zweite ist die Blockchain, die beispielsweise bei der Tokenisierung von Zertifikaten für erneuerbare Energien (REC) und der automatisierten Laststeuerung im Zeitalter dezentraler Energiequellen (DER) zum Einsatz kommt.



















